LAVES klar

Blauzungenkrankheit

Stand: 15.06.2018


Die Blauzungenkrankheit ist eine anzeigepflichtige Tierseuche der Wiederkäuer, die durch Viren verursacht und über Mücken der Gattung Culicoides übertragen wird.

Wichtiger Hinweis: In der Infospalte finden Sie Leitfäden für die Eingabe von BTV-Impfdaten in HIT für Schaf-, Ziegen und Rinderhalter und Tierärzte.

Karte der EU mit Restriktionszonen zur Blauzungenkrankheit
Karte der EU mit Restriktionszonen zur Blauzungenkrankheit (s. Link)
Bildrechte: EU

Aktuelle Informationen zur Verbreitung und den Restriktionszonen in der EU finden Sie auf der Internetseite zur Blauzungenkrankheit der EU-Kommission.

Dort ist u. a. eine aktuelle Karte sowie eine tabellarische Übersicht der Restriktionszonen in der EU zu finden (zur Karte gelangen Sie hier, zur Tabelle hier). Eine Karte des FLI mit den Ausbrüchen in der EU finden Sie hier.


Blauzungenkrankheitsgeschehen in Frankreich:

Seit 2015 breitet das Blauzungenvirus vom Serotyp 8 in Frankreich aus und verursachte vor allem Ende 2016/Anfang 2017 zahlreiche Ausbrüche. 2017 wurden über 1500 Fälle gemeldet. Seit Anfang November 2017 wurden außerdem Fälle vom Blauzungenvirus vom Serotyp 4 auf dem französischen Festland festgestellt. Auf Korsika treten regelmäßig BTV-4 Fälle auf. Frankreich meldete in diesem Jahr bereits über 600 BT-Ausbrüche, überwiegend BTV-8.

Blauzungenkrankheitsgeschehen in Italien:

Es werden vereinzelt Fälle von BTV-4 und BTV-1 vom italienischen Festland, Sardinien und Sizilien gemeldet. Ende November 2017 wurde auf Sizilien BTV vom Serotyp 3 bei einem Schaf festgestellt, alle anderen Tiere des Bestandes wurden negativ getestet. Dies ist der erste Fall von BTV-3 in Europa überhaupt. Bislang wurden keine weiteren Fälle von BTV-3 aus Italien gemeldet.

Blauzungenkrankheit in anderen europäischen Ländern:

In diesem Jahr wurden einige wenige Fälle von Blauzungenkrankheit vom Serotyp 16 aus Griechenland gemeldet.

Krankheitsanzeichen der aktuellen BTV-4 und BTV-8 Stämme:

Berichte zum Krankheitspotential der aktuell zirkulierenden BTV-4 und BTV-8 Stämme aus den betroffenen Ländern sind widersprüchlich. Es werden aber klinische Verdachtsfälle bei Rindern und kleinen Wiederkäuern beschrieben. Dies bedeutet, dass verstärkt auf Krankheitsanzeichen zu achten ist, die beim Wiederkäuer auf das Vorliegen einer Infektion mit dem Virus der Blauzungenkrankheit hindeuten.

Risikoeinschätzung zur Einschleppung der Blauzungenkrankheit nach Deutschland:

In Frankreich wurden in den letzten Monaten abnehmende BT-Fallzahlen gemeldet. Dieser Trend war bereits im letzten Jahr zu beobachten. Für die kommenden Monate wird daher von einem mittleren Risiko zur Einschleppung der Blauzungenkrankheit nach Deutschland ausgegangen. Trotzdem ist weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit angezeigt, vor allem beim grenzüberschreitenden Tierverkehr.

Impfung:

Eine Impfung vermittelt einen sicheren Schutz, ist weitgehend nebenwirkungsfrei und eine effiziente Bekämpfung bzw. Vorbeuge ist nur durch eine flächendeckende Impfung möglich. Da die Wahrscheinlichkeit, dass BTV nach Deutschland gelangt als sehr hoch eingeschätzt wird, empfiehlt die ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut empfängliche Wiederkäuer gegen BTV-4 und -8 zu impfen.
Die Empfehlung zur Impfung wurde kürzlich in der "Leitlinie zur Impfung von Rindern und kleinen Wiederkäuern" der StIKo Vet nochmals aktualisiert.

Der BTV-8-Seuchenzug aus den Jahren 2006 bis 2009 betraf fast die gesamte Bundesrepublik Deutschland und konnte durch den flächendeckenden Einsatz der Impfung erfolgreich bekämpft werden.

In den betroffenen Ländern wie Frankreich und Italien wird auf eine flächendeckende, verpflichtende Impfung verzichtet, stattdessen kann auf freiwilliger Basis gegen BTV geimpft werden. Auch in Deutschland ist eine freiwillige Impfung empfänglicher Wiederkäuer möglich. Hierzu ist jedoch die Genehmigung der zuständigen Behörde (Veterinäramt) notwendig (§ 4 der EG-Blauzungenbekämpfung-Durchführungsverordnung).

Gemäß § 4 der EG-Blauzungenbekämpfung-Durchführungsverordnung (vom 30. Juni 2015 (BGBl. I S. 1098), zuletzt geändert am 3. Mai 2016 (BGBl. I S. 1057)) gilt Folgendes:

  • Empfängliche Tiere dürfen gegen BT nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde und nur mit inaktivierten Impfstoffen geimpft werden. Die Genehmigung ist unter Berücksichtigung einer Risikobewertung des Friedrich-Loeffler-Institutes zu erteilen.
  • Der Tierhalter hat der zuständigen Behörde oder einer von dieser beauftragten Stelle jede Impfung gegen BT innerhalb von sieben Tagen nach der Durchführung der Impfung unter Angabe der Registriernummer seines Betriebes, des Datums der Impfung und des verwendeten Impfstoffes mitzuteilen. Auf Anordnung der zuständigen Behörde hat er zusätzlich die Ohrmarkennummern der geimpften Tiere mitzuteilen.
  • Die zuständige Behörde kann Impfungen empfänglicher Tiere eines Bestandes oder eines bestimmten Gebietes gegen BT mit einem inaktivierten Impfstoff und deren Mitteilung anordnen, soweit dies aus Gründen der Tierseuchenbekämpfung erforderlich ist.

Bei Fragen zur Impfung, insbesondere zur Genehmigung, wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige kommunale Veterinärbehörde.

Für die Impfung sind in Deutschland derzeit inaktivierte Impfstoffe gegen verschiedene BTV-Serotypen zugelassen. Es besteht keine Kreuzimmunität zwischen den unterschiedlichen Serotypen.

Das Land Baden-Württemberg hat bereits ein BT-Impfprogramm auf freiwilliger Basis etabliert. Informationen zu dem Programm finden Sie hier.

Hier eine Übersicht der zugelassenen Impfstoffe.

Zugelassene Impfstoffe BTV Serotyp 8 (Stand 24.07.2017)

Impfstoff

Hersteller

Vertrieb

Tierart

Verfügbarkeit*

Bluevac BTV-8

CZ-Veterinaria

Intervet/MSD

Schaf, Rind

Bovilis BTV-8

Intervet/MSD

Intervet/MSD

Schaf, Rind

BTVPUR AlSap 8

Merial

Merial

Schaf, Rind

BTVPUR

mit Serotyp 8

Merial

Merial

Schaf, Rind

Zulvac 8 bovis

Zoetis

Zoetis

Rind

Zulvac 8 ovis

Zoetis

Zoetis

Schaf

Zugelassene Impfstoffe BTV Serotyp 4 (Stand 24.07.2017)

Impfstoff

Hersteller

Vertrieb

Tierart

Verfügbarkeit*

BTVPUR AlSap 2, 4

Merial

Merial

Schaf

Bluevac-4

CZ-Veterinaria

Intervet/MSD

Schaf, Rind

BTVPUR

mit Serotyp 4

Merial

Merial

Schaf, Rind

Impfstoffe gegen BTV-8 sind aktuell in Deutschland verfügbar. Die konkrete Verfügbarkeit der einzelnen Impfstoffe und Angaben zu den Immunisierungsschemata sind bei den Herstellern bzw. Vertreibern zu erfragen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie auch auf der Internetseite der Ständigen Impfkomission des FLI.

Die aktuellen Zulassungen sind auf der Internetseite des Paul-Ehrlich-Institutes zu finden: http://www.pei.de/DE/infos/tieraerzte/tierarzneimittel/tierarzneimittel-node.html

Historie der Blauzungenkrankheit in Deutschland

Seit dem ersten Auftreten der Blauzungenkrankheit im August 2006 verursachte die Erkrankung insbesondere in den ersten zwei Folgejahren in Rinder- und Schafherden erhebliche wirtschaftliche Schäden. Durch den Einsatz der flächendeckenden Impfung der Hauswiederkäuer ab 2008 konnte die Anzahl der Neuerkrankungen deutlich reduziert werden. Die letzte Neuinfektion eines empfänglichen Tieres mit dem Blauzungenvirus vom Typ 8 (BTV-8) in Deutschland wurde im November 2009 nachgewiesen. Seit dem 15.02.2012 sind Deutschland und die Benelux-Staaten BTV-8 frei.

Weiterhin besteht unverändert aufgrund der epidemiologischen Situation in Europa (Nachweise unterschiedlicher BTV-Serotypen in Frankreich, Italien usw.) und der intensiven Handelsbeziehungen grundsätzlich die Gefahr einer erneuten Einschleppung des BTV-8 oder anderer Serotypen.

Die Blauzungenkrankheit ist eine für den Menschen völlig ungefährliche Tierseuche.

Woran erkennt man die Krankheit?

Die klinischen Symptome bei Rindern sind Entzündungen der Zitzenhaut und Schleimhäute im Bereich der Augenlider, Maulhöhle und Genitalien. Zudem treten Ablösungen von Schleimhäuten im Bereich der Zunge und des Mauls sowie Blasen am Kronsaum auf. Diese Symptome ähneln somit Symptomen der Maul- und Klauenseuche.

Das Virus bleibt in den Tieren in der Regel 100 Tage aktiv, es sammelt sich insbesondere unter der Haut. Die Tiere bilden eine belastbare Immunität aus. Die Krankheit kann ausheilen.

Schafe zeigen ca. 7-8 Tage nach der Infektion die ersten Anzeichen einer akuten Erkrankung: erhöhte Körpertemperatur, Apathie und Absonderung von der Herde. Bald nach dem Anstieg der Körpertemperatur schwellen die geröteten Maulschleimhäute an. Es kommt zu vermehrtem Speichelfluss und Schaumbildung vor dem Maul. Die Zunge schwillt an und wird blau und kann aus dem Maul hängen.

An den Klauen rötet sich der Kronsaum und schmerzt. Die Schafe können lahmen, und bei tragenden Tieren kann die Krankheit zum Abort führen.

Wie wird die Blauzungenkrankheit übertragen?

Überträger sind kleine Mücken (1 - 3 mm lang) der Gattung Culicoides (= Gnitzen). Sie fallen vor allem zwischen Abend- und Morgendämmerung Tiere im offenen Gelände an.

Das Virus wird von den blutsaugenden Insekten aufgenommen. Nach einer Entwicklungszeit von ca. einer Woche kann das Virus bei einer Blutmahlzeit auf einen Säugetierwirt übertragen werden.

Ist die Impfung gut verträglich?

Nach Bewertung des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) ist die Impfung gut verträglich. Dies zeigten nicht nur in Deutschland durchgeführte Studien (Gethmann et al., 2009; Eschbaumer et al., 2009), sondern auch die Auswertungen von BTV-8-Impfkampagnen im In- und Ausland (Cussler et al., 2009; Bruckner et al., 2009).

Viele im Jahr des Ersteinsatzes erfasste „Impfschäden" erwiesen sich bei näherer Untersuchung als Krankheitsausbrüche, da aufgrund einer noch ausstehenden zweiten Impfung die Grundimmunisierung noch nicht erfolgreich abgeschlossen worden war.

Grundsätzlich werden aber selbstverständlich mögliche Meldungen zu Nebenwirkungen weiterhin aufgenommen und überprüft (Link zum EU - Meldeformular für Tierärzte).

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln