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Blauzungenkrankheit

Stand: 23.08.2016

In der Infospalte finden Sie Leitfäden für die Eingabe von BTV-Impfdaten in HIT für Schaf-, Ziegen und Rinderhalter und Tierärzte.

Karte der EU mit Restriktionszonen zur Blauzungenkrankheit

Karte der EU mit Restriktionszonen zur Blauzungenkrankheit (s. Link)

Aktuelle Informationen zur Verbreitung und den Restriktionszonen in der EU finden Sie auf der Internetseite zur Blauzungenkrankheit der EU-Kommission.

Dort ist u. a. eine aktuelle Karte sowie eine tabellarische Übersicht der Restriktionszonen in der EU zu finden (zur Karte gelangen Sie hier, zur Tabelle hier).


Blauzungenkrankheit vom Serotyp 4 (BTV-4): Österreich ist betroffen

Seit Mai 2014 ist es in Südosteuropa zu zahlreichen Ausbrüchen der Blauzungen-Krankheit, verursacht durch BTV-4, gekommen. Seit dem Sommer 2015 wurden Neuausbrüche in Rumänien, Montenegro, Kroatien und Ungarn gemeldet. Nachdem sich der Erreger in Ungarn weiter verbreiten konnte, sind im November 2015 drei Fälle in Österreich und ein Fall in Slovenien aufgetreten. Diese Fälle ereigneten sich jeweils unweit der Grenzen zu Ungarn. Von der deutschen Grenze sind die aktuellen Ausbrüche ca. 200 bis 250 km entfernt.

Weiterführende Informationen zu den Ausbrüchen und Maßnahmen in Österreich finden Sie hier.

Bei dem ursächlichen Virus handelt es sich nicht um den bisher im Mittelmeerraum vorherrschenden BTV-4 Serotyp, der üblicherweise von der Gnitzenart Culicoides imicola übertragen wird, sondern um ein neues, reassortiertes Virus, das vermutlich von auch in Deutschland heimischen Vektoren (Culicoides obsoletus und pulicaris) verbreitet und übertragen werden kann. Von der Infektion sind neben Schafen und Ziegen auch Rinder und Wildtiere betroffen.

Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 (BTV-8):

Am 21.08.2015 wurde im Departement Allier im Zentrum von Frankreich der Ausbruch der Blauzungenkrankheit (BTV-8) bei einem klinisch kranken Schaf amtlich festgestellt. Seit dem ersten Januar 2016 wurden 130 Ausbrüche gemeldet (Quelle : ADNS, 02.06.2016). Der Südwesten von Baden-Württemberg liegt bereits in einer französischen Restriktionszone (150 km Überwachungszone). Das Land Baden-Württemberg hat bereits ein BT-Impfprogramm auf freiwilliger Basis etabliert. Informationen zu dem Programm finden Sie hier.

Impfung

Aufgrund der Ausbrüche von Blauzungenkrankheit in benachbarten Mitgliedstaaten ist die Gefahr der Einschleppung nach Deutschland für die Serotypen 4 und 8 derzeit besonders hoch. Mit der Änderung der EG-Blauzungenbekämpfung-Durchführungsverordnung wird eine Impfung empfänglicher Tiere ermöglicht.

Gemäß § 4 der EG-Blauzungenbekämpfung-Durchführungsverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 30. Juni 2015 (BGBl. I S. 1098), zuletzt geändert durch Artikel 5 der Verordnung vom 3. Mai 2016 (BGBl. I S. 1057) gilt Folgendes:

(1) Empfängliche Tiere dürfen gegen BT nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde und nur mit inaktivierten Impfstoffen geimpft werden. Die Genehmigung ist unter Berücksichtigung einer Risikobewertung des FLI zu erteilen.

(2) Der Tierhalter hat der zuständigen Behörde oder einer von dieser beauftragten Stelle jede Impfung gegen BT innerhalb von sieben Tagen nach der Durchführung der Impfung unter Angabe der Registriernummer seines Betriebes, des Datums der Impfung und des verwendeten Impfstoffes mitzuteilen. Auf Anordnung der zuständigen Behörde hat er zusätzlich die Ohrmarkennummern der nach Satz 1 geimpften Tiere mitzuteilen.

(3) Die zuständige Behörde kann

1. die Impfung empfänglicher Tiere eines Bestandes oder eines bestimmten Gebietes gegen BT mit einem inaktivierten Impfstoff und

2. die Mitteilung über eine nach Nr. 1 durchgeführte Impfung und den dabei verwendeten Impfstoff

anordnen, soweit dies aus Gründen der Tierseuchenbekämpfung erforderlich ist.

Bei Fragen zur Impfung, insbesondere zur Genehmigung, wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige kommunale Veterinärbehörde.

Für die Impfung sind in Deutschland derzeit inaktivierte Impfstoffe gegen verschiedene BTV-Serotypen zugelassen. Es besteht keine Kreuzimmunität zwischen den unterschiedlichen Serotypen.

Hier eine Übersicht der zugelassenen Impfstoffe.


Zugelassene Impfstoffe BTV Serotyp 8 (Stand 01.08.2016)

Impfstoff

Hersteller

Vertrieb

Tierart

Verfügbarkeit*

Bluevac BTV-8

CZ-Veterinaria

Intervet/MSD

Schaf, Rind

Mitte Juli 2016

Bovilis BTV-8

Intervet/MSD

Intervet/MSD

Schaf, Rind

Unbekannt

BTVPUR AlSap 8

Merial

Merial

Schaf, Rind

Ende 2016

BTVPUR

mit Serotyp 8

Merial

Merial

Schaf, Rind

Unbekannt

Zulvac 8 bovis

Zoetis

Zoetis

Rind

Sommer 2016

Zulvac 8 ovis

Zoetis

Zoetis

Schaf

Sommer 2016


Zugelassene Impfstoffe BTV Serotyp 4 (Stand 01.08.2016)

Impfstoff

Hersteller

Vertrieb

Tierart

Verfügbarkeit*

BTVPUR AlSap 2, 4

Merial

Merial

Schaf,

unbekannt

Bluevac BTV-4

CZ-Veterinaria

Intervet/MSD

Schaf, Rind

Mitte Juli 2016

BTVPUR

mit Serotyp 4

Merial

Merial

Schaf, Rind

25. Juli 2016

*Die Angaben zur Verfügbarkeit sind ohne Gewähr. Nach Aussage des Paul-Ehrlich-Institutes und der Impfstoffhersteller soll sich die Verfügbarkeit von Impfstoffen gegen BTV-4 und -8 zum Jahresende 2016 verbessern.

Die aktuellen Zulassungen sind auf der Internetseite des Paul-Ehrlich-Institutes zu finden: http://www.pei.de/DE/infos/tieraerzte/tierarzneimittel/tierarzneimittel-node.html

Historie der Blauzungenkrankheit in Deutschland

Seit dem ersten Auftreten der Blauzungenkrankheit im August 2006 verursachte die Erkrankung insbesondere in den ersten zwei Folgejahren in Rinder- und Schafherden erhebliche wirtschaftliche Schäden. Durch den Einsatz der flächendeckenden Impfung der Hauswiederkäuer ab 2008 konnte die Anzahl der Neuerkrankungen deutlich reduziert werden. Die letzte Neuinfektion eines empfänglichen Tieres mit dem Blauzungenvirus vom Typ 8 (BTV-8) in Deutschland wurde im November 2009 nachgewiesen. Seit dem 15.02.2012 sind Deutschland und die Benelux-Staaten BTV-8 frei.

Weiterhin besteht unverändert aufgrund der epidemiologischen Situation in Europa (Nachweise unterschiedlicher BTV-Serotypen in Algerien, Portugal, Spanien usw.) und der intensiven Handelsbeziehungen grundsätzlich die Gefahr einer erneuten Einschleppung des BTV-8 oder anderer Serotypen.

Die Blauzungenkrankheit ist eine für den Menschen völlig ungefährliche Tierseuche.

Woran erkennt man die Krankheit?

Die klinischen Symptome bei Rindern sind Entzündungen der Zitzenhaut und Schleimhäute im Bereich der Augenlider, Maulhöhle und Genitalien. Zudem treten Ablösungen von Schleimhäuten im Bereich der Zunge und des Mauls sowie Blasen am Kronsaum auf. Diese Symptome ähneln somit Symptomen der Maul- und Klauenseuche.

Das Virus bleibt in den Tieren in der Regel 100 Tage aktiv, es sammelt sich insbesondere unter der Haut. Die Tiere bilden eine belastbare Immunität aus. Die Krankheit kann ausheilen.

Schafe zeigen ca. 7-8 Tage nach der Infektion die ersten Anzeichen einer akuten Erkrankung: erhöhte Körpertemperatur, Apathie und Absonderung von der Herde. Bald nach dem Anstieg der Körpertemperatur schwellen die geröteten Maulschleimhäute an. Es kommt zu vermehrtem Speichelfluss und Schaumbildung vor dem Maul. Die Zunge schwillt an und wird blau und kann aus dem Maul hängen.

An den Klauen rötet sich der Kronsaum und schmerzt. Die Schafe können lahmen, und bei tragenden Tieren kann die Krankheit zum Abort führen.

Wie wird die Blauzungenkrankheit übertragen?

Überträger sind kleine Mücken (1 - 3 mm lang) der Gattung Culicoides (= Gnitzen). Sie fallen vor allem zwischen Abend- und Morgendämmerung Tiere im offenen Gelände an.

Das Virus wird von den blutsaugenden Insekten aufgenommen. Nach einer Entwicklungszeit von ca. einer Woche kann das Virus bei einer Blutmahlzeit auf einen Säugetierwirt übertragen werden.

Ist die Impfung gut verträglich?

Nach Bewertung des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) ist die Impfung gut verträglich. Dies zeigten nicht nur in Deutschland durchgeführte Studien (Gethmann et al., 2009; Eschbaumer et al., 2009), sondern auch die Auswertungen von BTV-8-Impfkampagnen im In- und Ausland (Cussler et al., 2009; Bruckner et al., 2009).

Viele im Jahr des Ersteinsatzes erfasste „Impfschäden" erwiesen sich bei näherer Untersuchung als Krankheitsausbrüche, da aufgrund einer noch ausstehenden zweiten Impfung die Grundimmunisierung noch nicht erfolgreich abgeschlossen worden war.

Grundsätzlich werden aber selbstverständlich mögliche Meldungen zu Nebenwirkungen weiterhin aufgenommen und überprüft (Link zum EU - Meldeformular für Tierärzte).


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