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Fischseuchen

Fischseuchen können zu hohen Verlusten in Aquakulturbetrieben, sonstigen Fischhaltungen und ggf. auch in Wildfischbeständen führen. Die EU sieht in der Richtlinie 2006/88/EG Mindestbekämpfungsmaßnahmen zum Schutz gegen diese Seuchen vor. Durch die Fischseuchenverordnung wird diese Richtlinie in nationales Recht umgesetzt. In Deutschland werden insgesamt sechs exotische (derzeit nicht in der EU vorkommend) und sieben nicht exotische Krankheiten als staatlich zu bekämpfende Fischseuchen eingestuft. Diese Seuchen sind in der Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen gelistet. Bei den zu bekämpfenden Fischseuchen handelt es sich um Krankheiten, die bei Fischen, Weichtieren und Krebstieren auftreten können. Diese Krankheiten können sich, z. B. durch das Verbringen lebender Fische, sehr schnell und über große Distanzen verbreiten. Es gelten daher Vorschriften über und Einschränkungen für den Handel mit lebenden Fischen.

Für den Menschen stellen die anzeigepflichtigen Fischseuchen nach derzeitigem Kenntnisstand keine gesundheitliche Gefahr dar.

Für die Bekämpfung von Fischseuchen sind in der Regel die Veterinärbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte zuständig. Diese können von Fachdiensten, etwa Fischbekämpfungs- und Fischgesundheitsdiensten, unterstützt werden.

Bei den anzeigepflichtigen Fischseuchen handelt es sich um Erkrankungen, die von Viren oder Parasiten verursacht werden. Beim Ausbruch bzw. Verdacht einer anzeigepflichtigen Fischseuche treten Schutzmaßregeln in Kraft, die unter anderem dazu dienen, die Verbreitung der Seuche zu verhindern und die Einschleppung der Seuche aufzuklären.

Welche Fischseuchen sind anzeigepflichtig?

1. Fische

  • Infektiöse Lachsanämie (ISA)
  • Virale Hämorrhagische Septikämie (VHS) - "Forellenseuche", "Forellenpest"
  • Infektiöse Hämatopoetische Nekrose (IHN)
  • Koi-Herpesvirus-Infektion der Karpfen (KHV-I)
  • Epizootische Hämatopoetische Nekrose (EHN) - exotische Seuche

2. Krebstiere

  • Weißpünktchenkrankheit der Krebstiere (WSD)
  • Taura-Syndrom - exotische Seuche
  • Yellowhead Disease - exotische Seuche

3. Weichtiere

  • Infektion mit Marteilia refringens
  • Infektion mit Bonamia ostreae
  • Infektion mit Bonamia exitiosa - exotische Seuche
  • Infektion mit Perkinsus marinus - exotische Seuche
  • Infektion mit Microcytos mackini - exotische Seuche

Obwohl die jährliche Inzidenz (Neuausbrüche) der Forellenseuche VHS deutlich rückgängig ist (Abb. 1), ist diese Fischseuche in Deutschland weiterhin von großer Bedeutung. Sie kann zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen führen. Die ebenfalls bei Forellen vorkommende Seuche IHN hat eine geringere jährliche Inzidenz im Vergleich zu VHS (Abb. 2). Die ISA führt in Lachspopulationen zu hohen Verlusten, wurde in Deutschland jedoch noch nicht nachgewiesen. Die KHV-I kann zu hohen Verlusten in sowohl Zier- als auch Nutzkarpfenpopulationen führen und wird regelmäßig in Deutschland festgestellt. Die jährliche Inzidenz der KHV-I nimmt seit 2007 deutlich ab (Abb. 3), wenngleich im 1. Halbjahr 2017 ein zusammenhängendes, deutschlandweites KHV-I-Geschehen zu einem deutlichen Anstieg der Inzidenz im Vergleich zum 1. Halbjahr 2016 geführt hat. Ausbrüche von Weichtier- oder Krebstierseuchen wurden in Deutschland noch nicht festgestellt.

Aktuelle Übersichten über Ausbrüche anzeigepflichtiger Fischseuchen können dem TierSeuchenInformationsSystem (TSIS) entnommen werden.

Inzidenz der VHS  
Abb. 1: Inzidenz der VHS (Quelle: TSN)
Inzidenz der IHN  
Abb. 2: Inzidenz der IHN (Quelle: TSN)
Inzidenz der KHV-I  
Abb. 3: Inzidenz der KHV-I (Quelle: TSN)
VHS - Glotzaugen und Dunkelverfärbung bei einer Regenbogenforelle  
Abb. 4: VHS - Glotzaugen und Dunkelverfärbung bei einer Regenbogenforelle

Wie erkennt man die Fischseuchen?

Anzeichen für eine mögliche Infektion mit der VHS, IHN, ISA oder KHV-I können sein:

  • Deutlich erhöhte Todesrate
  • Dunkelverfärbung der Fische (Abb. 4)
  • Glotzaugen (VHS und IHN - Abb. 4)
  • Apathie
  • Anormales Verhalten (z.B. Drehen um die Längsachse)
  • Eingefallene Augen (KHV-I)
  • Schleimhautablösung (KHV-I)
  • Flossenveränderungen (KHV-I)
  • Sogenannte "Randsteher" - die Fische halten sich teilnahmslos im Uferbereich oder an der Wasseroberfläche auf
  • Blutungen in der Muskulatur und in den inneren Organen (VHS und IHN)

Die Sterblichkeitsrate ist bei den verschiedenen Fischseuchen unterschiedlich. Je nach Kondition der Fische, der Seuchenresistenz einzelner Populationen sowie der Art und Ansteckungsfähigkeit des Erregers. VHS, IHN, ISA und KHV-I führen i. d. R. zu hohen Verlusten. Im Falle der KHV-I können diese bis zu 100 % betragen!

Wie werden Fischseuchen übertragen?

Direkt von Fisch zu Fisch über Sekrete und Ausscheidungen oder vertikal (über Fischeier).

Indirekt über Geräte, Transportfahrzeuge, Menschen und Tiere, welche das Virus aufnehmen und verschleppen können: Kleinstlebewesen im Wasser, Vögel und auch Säugetiere. Vor allem der Kormoran und der Graureiher stehen in Verdacht Fischseuchenerreger über den Schnabel oder auch über ihre Ausscheidungen übertragen zu können. Der Mensch kann Fischseuchenerreger durch nicht gereinigte und desinfizierte Kleidung, Schuhe oder Hände übertragen.

Was ist bei Verdacht auf Fischseuchen zu tun?

Bereits der Verdacht auf Vorliegen einer anzeigepflichtigen Seuche muss der zuständigen Veterinärbehörde angezeigt werden.

Der Amtstierarzt / die Amtstierärztin untersucht den Bestand und wird bzw. kann eine Probenahme veranlassen. Schutzmaßregeln werden bei Feststellung eines amtlichen Verdachts bzw. nach Feststellung des Ausbruchs angeordnet. Lebendfische können nur nach Genehmigung der zuständigen Behörde abgegeben werden ("Sperre"). Kontaktbestände (ermittelt über den Wasserlauf, Fischbewegungen etc.) werden unter amtliche Beobachtung gestellt. Ein Sperr- und Überwachungsgebiet wird festgelegt.

Amtlich angeordnete Schutzmaßregeln sind unbedingt einzuhalten, um das Risiko einer Ausbreitung der Seuche so gering wie möglich zu halten. Desinfektionsmaßnahmen müssen getroffen werden, um einer Verschleppung vorzubeugen.

Informieren Sie schon bei dem geringsten Verdacht auf eine Fischseuche Ihren Tierarzt, denn ein nicht geäußerter Verdacht kann verheerende Folgen haben, ein unbegründeter Verdacht hat dagegen keine negativen Konsequenzen.

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