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Fischseuchen

Bestimmte Fischseuchen können zu hohen Verlusten in Aquakulturbetrieben führen. Die EU sieht daher Mindestbekämpfungsmaßnahmen zum Schutz gegen diese Seuchen vor. In Deutschland werden insgesamt 13 exotische (derzeit nicht in der EU vorkommend) und nicht exotische Krankheiten als staatlich zu bekämpfende Fischseuchen eingestuft. Anzeigepflichtige Fischseuchen werden in der Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen aufgelistet. Durch die Fischseuchenverordnung werden die EU- Mindestbekämpfungsmaßnahmen in nationales Recht umgesetzt. Bei den zu bekämpfenden Fischseuchen handelt es sich um Krankheiten, die bei Fischen, Weich- und Krebstieren auftreten können. Diese Krankheiten können sich, z. B. durch das Verbringen lebender Fische, sehr schnell und über große Distanzen verbreiten. Es gelten daher Vorschriften über und Einschränkungen für den Handel mit lebenden Fischen (insbesondere Nutzfischen).

Für den Menschen stellen die anzeigepflichtigen Fischseuchen nach derzeitigem Kenntnisstand keine gesundheitliche Gefahr dar.

Für die Bekämpfung von Fischseuchen sind i. d. R. die Veterinärbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte zuständig. Diese können von Fachdiensten, etwa Fischbekämpfungs- und Fischgesundheitsdiensten unterstützt werden.

Bei den anzeigepflichtigen Fischseuchen handelt es sich um Erkrankungen, die von Viren oder Parasiten (Weichtierkrankheiten) verursacht werden. Beim Ausbruch bzw. Verdacht einer anzeigepflichtigen Fischseuche treten Schutzmaßregeln in Kraft, die unter anderem dazu dienen die Verbreitung der Seuche zu verhindern und die Einschleppung der Seuche aufzuklären.

Welche Fischseuchen sind anzeigepflichtig?

1. Fische

  • Infektiöse Lachsanämie (ISA)
  • Virale Hämorrhagische Septikämie (VHS) - "Forellenseuche", "Forellenpest"
  • Infektiöse Hämatopoetische Nekrose (IHN)
  • Koi-Herpesvirus-Infektion der Karpfen (KHV)
  • Epizootische Hämatopoetische Nekrose (EHN) - exotisch

2. Krebstiere

  • Weißpünktchenkrankheit (WSD) der Krebstiere
  • Taura-Syndrom - exotisch
  • Yellowhead Disease - exotisch

3. Weichtiere

  • Infektion mit Marteilia refringens
  • Infektion mit Bonamia ostreae
  • Infektion mit Bonamia exitiosa - exotisch
  • Infektion mit Perkinsus marinus - exotisch
  • Infektion mit Microcytos mackini - exotisch

Die Forellenseuche VHS ist in Deutschland die bedeutendste Fischseuche. Sie kann zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen führen. Die ebenfalls bei Forellen vorkommende Seuche IHN wurde im Jahr 1987 aus Nord-Amerika nach Europa eingeschleppt und ist mit der VHS nah verwandt. Die ISA führt in Lachspopulationen zu hohen Verlusten, wurde in Deutschland jedoch noch nicht nachgewiesen. Die Koi-Herpesvirus-Infektion der Karpfen kann zu hohen Verlusten in sowohl Zier- als auch Nutzkarpfenpopulationen führen.

Wie erkennt man die Fischseuchen?

Anzeichen für eine mögliche Infektion mit der VHS, IHN, ISA oder KHV-I können sein:

  • Deutlich erhöhte Todesrate
  • Dunkelverfärbung der Fische
  • Glotzaugen (VHS und IHN)
  • Apathie
  • Anormales Verhalten (z.B. Drehen um die Längsachse)
  • Aufgetriebe Leibeshöhle
  • Eingefallene Augen (KHV-I)
  • Schleimhautablösung (KHV-I)
  • Flossenveränderungen (KHV-I)
  • Sogenannte "Randsteher" - die Fische halten sich teilnahmslos im Uferbereich auf
  • Blutungen in der Muskulatur und in den inneren Organen (VHS und IHN)

Die Sterblichkeitsrate ist bei den verschiedenen Fischseuchen unterschiedlich. Je nach Kondition der Fische, der Seuchenresistenz einzelner Populationen sowie der Art und Ansteckungsfähigkeit des Erregers. Die VHS, IHN, ISA und KHV-I führen i. d. R. zu hohen Verlusten. Im Falle der KHV-I können diese bis zu 100 % betragen!

Wie werden Fischseuchen übertragen?

Direkt von Fisch zu Fisch über Sekrete und Ausscheidungen oder vertikal (über Fischeier).

Indirekt über Geräte, Transportfahrzeuge, Menschen, andere Tiere, welche die Viruserreger aufnehmen und weitergeben können: Kleinstlebewesen im Wasser, Vögel und auch Säugetiere. Vor allem der Kormoran und der Graureiher stehen in Verdacht Fischseuchenerreger über den Schnabel oder auch über ihre Ausscheidungen übertragen zu können. Der Mensch kann Fischseuchenerreger durch nicht gereinigte und desinfizierte Kleidung, Schuhe oder Hände übertragen.

Was ist bei Verdacht auf Fischseuchen zu tun?

Bereits der Verdacht auf Vorliegen einer anzeigepflichtigen Seuche muss der zuständigen Veterinärbehörde gemeldet werden.

Der Amtstierarzt / die Amtstierärztin untersucht den Bestand und wird bzw. kann die Probenahme veranlassen. Schutzmaßregeln werden bei Feststellung eines amtlichen Verdachts bzw. nach Feststellung des Ausbruchs angeordnet. Lebendfische können nur nach Genehmigung der zuständigen Behörde abgegeben werden ("Sperre"). Kontaktbestände (ermittelt über den Wasserlauf, Fischbewegungen etc.) werden unter amtliche Beobachtung gestellt.

Da auch der Mensch Seuchenerreger indirekt übertragen kann, sind amtlich angeordnete Schutzmaßregeln unbedingt einzuhalten, um das Risiko einer Ausbreitung der Seuche so gering wie möglich zu halten. Es kommt dabei vor allem auf eine strikte Seuchenhygiene an. Desinfektionsmaßnahmen müssen getroffen werden, um einer Verschleppung vorzubeugen. Der betroffene Aquakulturbetrieb kann für den Personenverkehr gesperrt werden.

Informieren Sie schon bei dem geringsten Verdacht auf eine Fischseuche Ihren Tierarzt, denn ein nicht geäußerter Verdacht kann verheerende Folgen haben, ein unbegründeter Verdacht hat dagegen keine negativen Konsequenzen.

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