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Ansteckende Blutarmut der Einhufer

Stand: 20.07.2017


Am 8. Juni 2017 wurde die Ansteckende Blutarmut der Einhufer erstmals bei einem Pferd in Niedersachsen amtlich festgestellt.

Amtliche und nicht amtliche labordiagnostische Untersuchungen werden im Lebensmittel- und Veterinärinstitut BS/H - Standort Hannover - Eintrachtweg 17, 30173 Hannover, in landesweiter Zuständigkeit durchgeführt.

Für den Antikörpernachweis ist Nativblut, d. h. Blut ohne Gerinnungshemmer einzusenden. Untersuchungen erfolgen umgehend, können aber bis zu drei Werktage in Anspruch nehmen.

Die Ansteckende Blutarmut der Einhufer (Syn. Equine Infektiöse Anämie, Infektiöse Anämie der Einhufer) ist eine durch ein Lentivirus, Familie Retroviridae, hervorgerufene Erkrankung von Tieren der Familie Equidae (Pferde, Ponys, Esel, Maultiere, Maulesel, Zebras). Die Seuche wird insbesondere durch blutsaugende Insekten übertragen. Die Krankheit kann akut, chronisch und inapparent, d. h. ohne klinische Erscheinungen verlaufen. Die klinische Symptomatik variiert je nach auftretender Form. Infizierte Tiere bleiben lebenslang Virusträger.

Die Ansteckende Blutarmut der Einhufer kommt weltweit vor, tritt jedoch regional gehäuft in Nord- und Südamerika, Asien, Afrika, Australien sowie Süd- und Osteuropa auf.

In Deutschland wurde die Seuche in den letzten Jahren vereinzelt in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen nachgewiesen.

Wie erkennt man die Ansteckende Blutarmut der Einhufer?

Krankheitsbild der akuten Verlaufsform: Fieber, Apathie, Punktblutungen vor allem auf der Zungenunterseite sowie auf Schleimhäuten und Lidbindehäuten. Bei einem perakuten Verlauf sterben die Tiere ohne vorherige Symptomatik.

Krankheitsbild der chronischen Verlaufsform: Fieberanfälle, Abgeschlagenheit sowie Ödembildung.

Wie wird die Ansteckende Blutarmut der Einhufer übertragen?

Hauptsächlich wird der Erreger durch große blutsaugende Insekten wie Pferdebremsen und Stechfliegen übertragen. Das Risiko einer Infektion durch Insekten ist im Sommer und Herbst am höchsten. Das Virus bleibt in den Mundwerkzeugen der Insekten ca. 30 Minuten infektiös. In der Regel ist ein mehrfaches Stechen erforderlich, um einen Equiden zu infizieren.

Der Erreger wird insbesondere über Blut, aber auch Milch, Speichel sowie mit Blut kontaminierten Se- und Exkreten infizierter Tiere ausgeschieden. Eine Übertragung von Tier zu Tier ist möglich, erfordert aber einen engen Kontakt.

Infektionen erfolgen auch iatrogen, d. h. durch Behandlung mit Blut oder Blutprodukten oder mit kontaminierten (tierärztlichen) Instrumenten. Die Übertragung des Virus kann zudem in der Gebärmutter auf den Fötus sowie per Deckakt erfolgen.

Ist die Ansteckende Blutarmut der Einhufer auf Menschen übertragbar?

Auf den Menschen ist das Virus nicht übertragbar.

Was tun bei Ansteckender Blutarmut der Einhufer?

Die Infektiöse Blutarmut der Einhufer ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Tiere mit unklarer Symptomatik sollten sofort dem Tierarzt vorgestellt werden. Bei Seuchenverdacht ist unverzüglich das zuständige Veterinäramt zu unterrichten. Das Veterinäramt veranlasst nach Tierseuchenrecht erforderliche Maßnahmen, z. B. Probenentnahmen zu diagnostischen Zwecken.

Eine Therapie oder einen wirksamen Impfstoff gibt es nicht. Impfungen und Heilversuche seuchenkranker oder -verdächtiger Einhufer sind zudem gesetzlich verboten. Persistent infizierte Tiere müssen, da sie lebenslang Virusträger sind, eingeschläfert werden.

Hinweise für Pferdebesitzer:

Um das Risiko einer Übertragung zu minimieren, sollten folgende Empfehlungen beachtet werden:

  • Keine Anwendung von nicht desinfizierten Geräten, Instrumenten, Kanülen etc.
  • Sauberhalten von Ställen und dazugehörigen Räumlichkeiten
  • Vermeiden eines gemeinsamen Gebrauchs von Equipment wie Sattelzeug, Trensen und Putzzeug; im Falle einer gemeinsamen Nutzung sollte das Zubehör nach jedem Gebrauch gereinigt und desinfiziert werden
  • Trockenhalten von Weiden und Paddocks; wenn möglich, Weidegänge auf Zeiten mit geringerer Insekten-Flugaktivität verlegen
  • Schutz vor Insekten durch das Eindecken der Tiere, den Einsatz von Repellentien sowie Insektenfallen im Stall
  • Der Nachweis von Antikörpern gibt Gewissheit, ob eine Infektion vorliegt und eine Gefahr für andere Einhufer besteht.

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