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BVD: Bekannte Rinderkrankheit – neues Sanierungsverfahren

Stand: 24.08.2016


Aktuelles zum BVDV2-Geschehen in Niedersachsen finden Sie rechts in der Infospalte

BVD (Bovine Virus Diarrhoe) ist eine Rinderkrankheit, die zu den verlustreichsten Virusinfektionen zählt und durch das sogenannte Pestivirus ausgelöst wird. Man geht davon aus, dass ca. 70-80 % der Rinderbestände mit dem Virus infiziert sind. Meist breitet sich die Infektion unbemerkt im Bestand aus, weil anfänglich keine oder leichte Krankheitssymptome wie Nasenausfluss, Atemwegserkrankungen und Durchfall zu beobachten sind.

Die Infektion während der Trächtigkeit verursacht allerdings hohe wirtschaftliche Schäden und wird meist erst nach Monaten in aller Deutlichkeit erkennbar. Dabei hängt es davon ab, zu welchem Zeitpunkt sich das tragende Rind mit dem BVD-Virus ansteckt:

Trächtigkeit bis ca. 40 Tage

Umrindern
Fruchtbarkeitsstörungen

Trächtigkeit zwischen ca. 40 - 120 Tagen

Dauerausscheider (Virämiker)
Aborte, Geburt lebensschwacher Kälber

Trächtigkeit zwischen ca. 120 - 190 Tagen

Missbildungen (z.B. Auge, Kleinhirn)
Aborte

Trächtigkeit ab 190 Tagen

ungeborenes Kalb bildet Immunantwort

MD (Mucosal Disease) ist eine Sonderform der BVD, endet immer tödlich und entsteht nur bei Dauerausscheidern, wenn diese sich mit BVD-Viren unterschiedlicher Typen infizieren. Die Tiere sind chronisch abgemagert, haben unstillbare, z.T. blutige Durchfälle und Veränderungen der Haut im Zwischenklauenspalt und am Kronsaum.

Für die Bekämpfung von BVD und die Sanierung in den Rinderbständen ist es ganz wichtig, die Virämiker in der Rinderherde so früh wie möglich zu erkennen und dann zu entfernen, um Neuinfektionen durch die Virusstreuung des virämischen (persistent infizierten) Tieres zu verhindern.

BVD-Bekämpfungsvorschriften

BVD ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, zu der vom Bund eine BVDV-Verordnung wurde, die am 1. Januar 2011 in Kraft trat. Die Bekämpfung von BVD hat dadurch in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Am 27. Juni 2016 ist eine neue BVDV-Verordnung in Kraft getreten, die durch entsprechende Änderungen den Abschluss der Sanierung beschleunigen soll.

Die Verordnung ist für alle Rinderhalter verbindlich und hat unter anderem folgende grundsätzliche Auflagen:

Alle Rinder müssen bis zur Vollendung des ersten Lebensmonats auf BVD-Virus untersucht werden.

Dauerausscheider müssen getötet werden.

Es dürfen nur noch BVD-unverdächtige Rinder aus den Beständen abgegeben und gehandelt werden.

In Niedersachsen ist außerdem eine BVDV-Landesverordnung erlassen worden, die für alle niedersächsischen Rinderbetriebe ab 1. Juni 2010 die Untersuchung aller neugeborenen Kälber gleich nach der Geburt vorschreibt.

Dazu wird ein neues Probenahmeverfahren - das Ohrstanzverfahren - eingesetzt. Beim Einziehen der Ohrmarke zur Kennzeichnung nach Viehverkehrsverordnung wird eine Ohrstanze (Hautprobe) vom Landwirt genommen und im Labor auf BVD-Virus untersucht. So ist es möglich, schon eine Woche nach der Geburt festzustellen, ob das Kalb ein Dauerausscheider ist. Wenn dies der Fall sein sollte, kann das Risiko der Neuinfektion im Bestand oder der Virusverschleppung bei Verkauf des Tieres sehr früh erkannt und durch Entfernen des Virämikers schnell gebannt werden.

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