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Aujeszkysche Krankheit

Stand: 13.07.2017


Beschreibung

Die Aujeszkysche Krankheit (AK) ist eine weltweit verbreitete, virusbedingte und hochansteckende Allgemeinerkrankung vieler Säugetierarten, wobei das Schwein der Hauptwirt ist. Nur Primaten und Pferdeartige gelten als resistent, der Mensch ist nicht betroffen. Es handelt sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche, bereits der Verdacht ist beim zuständigen Veterinäramt anzuzeigen.

Im Vergleich zu anderen Herpesviren weist der Erreger eine hohe Überlebensfähigkeit in der Umwelt auf. So wird die Infektiosität durch die Fleischreifung nicht zerstört und in gepökeltem Fleisch bleibt das Virus bis zu 20 Tage infektiös. Auch in Urin, Mist und Boden überlebt der Erreger für einige Zeit.

Der Erreger kann durch Kontakt mit infizierten Schweinen oder mit kontaminierten Gegenständen sowie durch Lebensmittel in Schweinebestände gelangen. Infizierte Wildschweine sowie Teile dieser Tiere stellen ebenfalls eine Infektionsgefahr dar. Bei Hunden und Katzen verläuft die Infektion mit dem AK-Virus immer tödlich. Daher sollte der Kontakt zu Wildschweinen und die Verfütterung von rohem Fleisch oder rohen Innereien von (Wild-) Schweinen vermieden werden.

Durch strikte nationale Bekämpfungsmaßnahmen konnte die AK in Deutschland bei Hausschweinen getilgt werden. Seit 2003 gilt Deutschland als AK-frei. Allerdings treten seit einigen Jahren in Deutschland immer wieder Fälle von AK bei Wildschweinen auf.

Symptome

Schweine: Die Krankheitssymptome bei Schweinen unterscheiden sich je nach Altersgruppe. Stark krankmachende (virulente) Stämme können auch bei erwachsenen Tieren schwere Krankheitssymptome verursachen.

Junge Saugferkel: Allgemeine Krankheitserscheinungen mit Fieber, Lähmungserscheinungen, Zittern, und hoher Sterblichkeit.

Ferkel: Allgemeine Krankheitserscheinungen mit Fieber und Atemwegserkrankung.

Erwachsene Schweine: Meist milde respiratorische Erscheinungen mit anschließender Genesung (stumme Durchseuchung). Zum Teil schwere Lungenentzündungen durch Sekundärinfektionen

Sauen: Fruchttod und Aborte kommen vor.

Andere Tierarten: Das charakteristischste Symptom ist der akute Juckreiz. Die Krankheit kann Tollwut-ähnlich verlaufen. Die Infektion führt innerhalb weniger Stunden bis Tage zum Tod.

Diagnose

Nach einer Verdachtsdiagnose durch den Tierarzt kann der Erregernachweis aus Blut oder Gewebeproben oder der Antikörpernachweis aus Blutproben durchgeführt werden. Bevor Deutschland AK-frei wurde, kamen markierte Impfstoffe zum Einsatz. Aus diesem Grund können sehr alte Tiere oder Tiere aus dem Ausland Impfantikörper im Blut haben. Diese können mit besonderen Untersuchungsmethoden von einer echten Infektion unterschieden werden.

Behandlung/Bekämpfung

Impfungen gegen die Aujeszkysche Krankheit sowie Heilversuche sind verboten. Kommt es zu einem Ausbruch, so werden mindestens die seuchenkranken und seuchenverdächtigen Schweine getötet. Bei Verdacht auf AK ist sofort das zuständige Veterinäramt zu informieren.

Vorbeugen

Deutschland gilt als frei von der Aujeszkysche Krankheit. Zur Aufrechterhaltung dieses Statuses müssen die Schweinebestände stichprobenartig über Blutproben auf diese Krankheit untersucht werden (Monitoring).

Bisher kam es noch nicht zu einer Einschleppung des Wildschweine AK-Virus in unsere Hausschweinebestände. Jeglicher direkte und indirekte Kontakt zwischen Haus- und Wildschweinen muss vermieden werden, um diese weiterhin zu verhindern. Dieses sollten insbesondere Jäger, die selbst Schweine halten oder Kontakt zu Hausschweinen haben, berücksichtigen. Teile von Wildschweinen sollten nicht roh an Hunde verfüttert werden.

Aujeszkysche Krankheit bei Wildschweinen

Die Feststellung der Aujeszkyschen Krankheit (AK) bei Wildschweinen ist weder anzeige- noch meldepflichtig und wird daher aus rechtlicher Sicht, im Gegensatz zur Feststellung der AK bei Hausschweinen, nicht als Tierseuchenausbruch bewertet. Dennoch stellt das Vorkommen der Erkrankung eine potentielle Bedrohung für die Hausschweinebestände und Haustiere (besonders Hunde) dar. In Niedersachsen wird in Rahmen eines jährlich durchgeführten Monitorings eine Stichprobe der Wildschweine auf die Aujeszkysche Krankheit untersucht.

Im Rahmen der Monitoringuntersuchungen wurden im Dezember 2011 die ersten seropositiven Befunde von AK bei Wildschweinen in Niedersachsen festgestellt. Räumlich war das Vorkommen von AK bisher auf die Landkreise Wolfenbüttel, Goslar und die Stadt Salzgitter begrenzt. Der Nachweise der Infektion bei Wildschweinen im Norden des Landkreises Celle, in den Landkreisen Uelzen, Hildesheim, Göttingen, in der Stadt Braunschweig und in der Grafschaft Bentheim zeigen jedoch, dass sich der Erreger weiter in der niedersächsischen Schwarzwildpopulation ausbreitet.

Bei den Wildschweinen kann die Krankheit nicht bekämpft oder behandelt werden, die allermeisten Stücke überleben eine AK-Infektion. Daher kommt der konsequenten Bejagung zur Regulierung und Reduktion der Schwarzwildbestände eine hohe Bedeutung zu.

Ansteckungen von Jagdhunden sind zwar selten aber nicht völlig auszuschließen. In dem auf dieser Internetseite bereitgestellten Merkblatt für Jäger sind entsprechende Verhaltenshinweise enthalten.

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