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Blauzungenkrankheit

Stand: 15.01.2019


Die Blauzungenkrankheit ist eine anzeigepflichtige Tierseuche der Wiederkäuer, die durch Viren verursacht und über Mücken der Gattung Culicoides übertragen wird.

Wichtiger Hinweis: In der Infospalte finden Sie Leitfäden für die Eingabe von BTV-Impfdaten in HIT für Schaf-, Ziegen und Rinderhalter und Tierärzte.

Karte der EU mit Restriktionszonen zur Blauzungenkrankheit
Karte der EU mit Restriktionszonen zur Blauzungenkrankheit (s. Link)

Aktuelle Informationen zur Verbreitung und den Restriktionszonen in der EU finden Sie auf der Internetseite zur Blauzungenkrankheit der EU-Kommission.

Dort ist u. a. eine aktuelle Karte sowie eine tabellarische Übersicht der Restriktionszonen in der EU zu finden (zur Karte gelangen Sie hier, zur Tabelle hier). Eine Karte des FLI mit den Ausbrüchen in der EU finden Sie hier.


Aktuelles Blauzungenkrankheitsgeschehen in Deutschland:

Am 12. Dezember 2018 wurde in einer Rinderhaltung im Kreis Rastatt in Baden-Württemberg ein Ausbruch der Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 festgestellt. Im Rahmen einer Routineuntersuchung wurde das Virus bei zwei Tieren des Bestandes nachgewiesen. Die Tiere zeigten keine Krankheitserscheinungen. Um den Ausbruchsbestand wurde eine sogenannte Sperrzone im Umkreis von 150 Kilometern eingerichtet, von der neben Baden-Württemberg auch das Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz betroffen sind. Empfängliche Tiere (Rinder, Schafe, Ziegen und gehaltene Wiederkäuer) dürfen in und aus diesen Gebieten nur unter Auflagen verbracht werden. Eine Übersicht, über die Bedingungen zur Verbringung finden Sie hier.

Am 9. Januar wurde in zwei weiteren Beständen im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, Baden-Württemberg ebenfalls BTV vom Serotyp 8 im Rahmen von Handelsuntersuchungen nachgewiesen.

Die Blauzungenkrankheit wurde zuletzt 2012 in Deutschland nachgewiesen. Mit dem aktuellen Ausbruch verliert Deutschland den BT-Freiheitsstatus, sodass mit Einschränkungen beim Handel mit empfänglichen Tieren zu rechnen ist.

Blauzungenkrankheitsgeschehen in Frankreich:

Seit 2015 breitet das Blauzungenvirus vom Serotyp 8 in Frankreich aus und verursachte vor allem Ende 2016/Anfang 2017 zahlreiche Ausbrüche. Nachdem 2017 über 1500 Ausbrüche gemeldet wurden, wurden im Jahr 2018 knapp 700 Ausbrüche gemeldet, überwiegend BTV-8 Ausbrüche. Seit November 2017 werden außerdem Fälle vom Blauzungenvirus vom Serotyp 4 auf dem französischen Festland festgestellt.

Blauzungenkrankheitsgeschehen in Italien:

Es werden vereinzelt Fälle von BTV-4 und BTV-1 vom italienischen Festland, Sardinien und Sizilien gemeldet. Im November 2017 wurde erstmals in Europa Blauzungenvirus vom Serotyp 3 auf Sizilien bei einem Schaf nachgewiesen. Im Oktober wurden auf Sardinien ebenfalls erste Fälle von BTV-3 bei Ziegen und Schafen nachgewiesen. Italien meldete 2018 118 BTV-Ausbrüche.

Blauzungenkrankheit in der Schweiz:

Seit September 2018 kommt es in der gesamten Schweiz zu BTV-8 Ausbrüchen bei Rindern und Schafen. Im letzten Jahr wurden insgesamt 75 Ausbrüche von BTV-8 aus der Schweiz gemeldet, wovon einige aufgrund milder klinischer Symptome aufgefallen waren.

Blauzungenkrankheit in anderen Ländern:

In diesem Jahr wurden einige wenige Fälle von Blauzungenkrankheit vom Serotyp 16 aus Griechenland gemeldet.

Aus Spanien, Portugal und Zypern wurden vereinzelt Fälle von BTV vom Serotyp 4 gemeldet.


Risikoeinschätzung zur weiteren Verbreitung der Blauzungenkrankheit in Deutschland:

Aus den betroffenen Gebieten in Baden-Württemberg, Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz dürfen empfängliche Tierarten nur in freie Gebiete verbracht werden, wenn sie negativ auf Blauzungenkrankheit untersucht sind oder gegen BTV-8 geimpft sind (siehe auch hier).

Tierhaltern wird empfohlen, ihre Rinder, Schafe und Ziegen gegen BTV-8 und BTV-4 impfen zu lassen. In Frankreich und der Schweiz können empfängliche Tiere auf freiwilliger Basis geimpft werden. Dies zeigt, dass ohne eine flächendeckende Impfung gegen die Blauzungenkrankheit eine weitere Ausbreitung wahrscheinlich ist. Das Risiko einer Übertragung durch Gnitzen in der kalten Jahreszeit wird jedoch als gering eingeschätzt.

Impfung:

Eine Impfung vermittelt einen sicheren Schutz, ist weitgehend nebenwirkungsfrei und eine effiziente Bekämpfung bzw. Vorbeuge ist nur durch eine flächendeckende Impfung möglich. Die ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut empfiehlt, empfängliche Wiederkäuer gegen BTV-4 und -8 zu impfen.

Der BTV-8-Seuchenzug aus den Jahren 2006 bis 2009 betraf fast die gesamte Bundesrepublik Deutschland und konnte durch den flächendeckenden Einsatz der Impfung erfolgreich bekämpft werden.

In den betroffenen Ländern wie Frankreich und Italien wird auf eine flächendeckende, verpflichtende Impfung verzichtet, stattdessen kann auf freiwilliger Basis gegen BTV geimpft werden. Auch in Deutschland ist eine freiwillige Impfung empfänglicher Wiederkäuer möglich. Hierzu ist jedoch die Genehmigung der zuständigen Behörde (Veterinäramt) notwendig (§ 4 der EG-Blauzungenbekämpfung-Durchführungsverordnung).

Gemäß § 4 der EG-Blauzungenbekämpfung-Durchführungsverordnung (vom 30. Juni 2015 (BGBl. I S. 1098), zuletzt geändert am 3. Mai 2016 (BGBl. I S. 1057)) gilt Folgendes:

  • Empfängliche Tiere dürfen gegen BT nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde und nur mit inaktivierten Impfstoffen geimpft werden. Die Genehmigung ist unter Berücksichtigung einer Risikobewertung des Friedrich-Loeffler-Institutes zu erteilen.
  • Der Tierhalter hat der zuständigen Behörde oder einer von dieser beauftragten Stelle jede Impfung gegen BT innerhalb von sieben Tagen nach der Durchführung der Impfung unter Angabe der Registriernummer seines Betriebes, des Datums der Impfung und des verwendeten Impfstoffes mitzuteilen. Auf Anordnung der zuständigen Behörde hat er zusätzlich die Ohrmarkennummern der geimpften Tiere mitzuteilen.
  • Die zuständige Behörde kann Impfungen empfänglicher Tiere eines Bestandes oder eines bestimmten Gebietes gegen BT mit einem inaktivierten Impfstoff und deren Mitteilung anordnen, soweit dies aus Gründen der Tierseuchenbekämpfung erforderlich ist.

Bei Fragen zur Impfung, insbesondere zur Genehmigung, wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige kommunale Veterinärbehörde.

Für die Impfung sind in Deutschland derzeit inaktivierte Impfstoffe gegen verschiedene BTV-Serotypen zugelassen. Es besteht keine Kreuzimmunität zwischen den unterschiedlichen Serotypen.

Das Land Baden-Württemberg hat bereits ein BT-Impfprogramm auf freiwilliger Basis etabliert. Informationen zu dem Programm finden Sie hier.


Hier eine Übersicht der zugelassenen Impfstoffe.

Zugelassene Impfstoffe BTV Serotyp 8 (Stand 18.12.2018)

Impfstoffe gegen BTV-8 Hersteller Tierart
Bluevac BTV8 CZ Veterinaria Schaf, Rind
Bovilis Blue-8 Intervet B.V. Schaf, Rind
Bovilis BTV8 Intervet B.V. Schaf, Rind

BTVPur (Multistrain mit BTV8,
BTV4, BTV2, BTV1

Merial S.A.S.
(Boehringer)
Schaf, Rind
Syvazul 8 Laboratorios Syva Schaf, Rind
Zulvac 1 Bovis Zoetis Belgium S.A. Rind
Zulvac 1 Ovis Zoetis Belgium S.A. Schaf
Zulvac 1+8 Bovis Zoetis Belgium S.A. Rind
Zulvac 1+8 Ovis Zoetis Belgium S.A. Schaf
Zulvac 8 Bovis Zoetis Belgium S.A. Rind
Zulvac 8 Ovis Zoetis Belgium S.A. Schaf
Zulvac BTV Ovis (Multistrain
mit BTV8, BTV4, BTV1)
Zoetis Belgium S.A. Schaf


Zugelassene Impfstoffe BTV Serotyp 4 (Stand 18.12.2018)

Impfstoff gegen BTV-4 Hersteller Tierart
Bluevac-4 CZ Veterinaria Schaf, Rind
BTVPur (Multistrain mit BTV8,
BTV4, BTV2, BTV1)
Merial S.A.S.
(Boehringer)
Schaf, Rind
Zusvac BTV Ovis (Multistrain
mit BTV8, BTV4, BTV1)
Zoetis Belgium S.A. Schaf


Impfstoffe gegen BTV-8 sind aktuell in Deutschland verfügbar. Die konkrete Verfügbarkeit der einzelnen Impfstoffe und Angaben zu den Immunisierungsschemata sind bei den Herstellern bzw. Vertreibern zu erfragen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie auch auf der Internetseite der Ständigen Impfkommission des FLI.

Die aktuellen Zulassungen sind auf der Internetseite des Paul-Ehrlich-Institutes zu finden: http://www.pei.de/DE/infos/tieraerzte/tierarzneimittel/tierarzneimittel-node.html

Historie der Blauzungenkrankheit in Deutschland

Seit dem ersten Auftreten der Blauzungenkrankheit im August 2006 verursachte die Erkrankung insbesondere in den ersten zwei Folgejahren in Rinder- und Schafherden erhebliche wirtschaftliche Schäden. Durch den Einsatz der flächendeckenden Impfung der Hauswiederkäuer ab 2008 konnte die Anzahl der Neuerkrankungen deutlich reduziert werden. Die letzte Neuinfektion eines empfänglichen Tieres mit dem Blauzungenvirus vom Typ 8 (BTV-8) in Deutschland wurde im November 2009 nachgewiesen. Seit dem 15.02.2012 waren Deutschland und die Benelux-Staaten BTV-8 frei. Mit dem BTV-8 Ausbruch am 12.12.2018 verliert Deutschland diesen Status wieder.

Die Blauzungenkrankheit ist eine für den Menschen völlig ungefährliche Tierseuche.

Woran erkennt man die Krankheit?

Die klinischen Symptome bei Rindern sind Entzündungen der Zitzenhaut und Schleimhäute im Bereich der Augenlider, Maulhöhle und Genitalien. Zudem treten Ablösungen von Schleimhäuten im Bereich der Zunge und des Mauls sowie Blasen am Kronsaum auf. Diese Symptome ähneln somit Symptomen der Maul- und Klauenseuche.

Das Virus bleibt in den Tieren in der Regel 100 Tage aktiv, es sammelt sich insbesondere unter der Haut. Die Tiere bilden eine belastbare Immunität aus. Die Krankheit kann ausheilen.

Schafe zeigen ca. 7-8 Tage nach der Infektion die ersten Anzeichen einer akuten Erkrankung: erhöhte Körpertemperatur, Apathie und Absonderung von der Herde. Bald nach dem Anstieg der Körpertemperatur schwellen die geröteten Maulschleimhäute an. Es kommt zu vermehrtem Speichelfluss und Schaumbildung vor dem Maul. Die Zunge schwillt an und wird blau und kann aus dem Maul hängen.

An den Klauen rötet sich der Kronsaum und schmerzt. Die Schafe können lahmen, und bei tragenden Tieren kann die Krankheit zum Abort führen.

Berichte zum Krankheitspotential der aktuell zirkulierenden BTV-4 und BTV-8 Stämme aus den betroffenen Ländern sind widersprüchlich. Dies bedeutet, dass verstärkt auf Krankheitsanzeichen zu achten ist, die auf das Vorliegen einer Infektion mit dem Blauzungen-Virus hindeuten.

Wie wird die Blauzungenkrankheit übertragen?

Überträger sind kleine Mücken (1 - 3 mm lang) der Gattung Culicoides (= Gnitzen). Sie fallen vor allem zwischen Abend- und Morgendämmerung Tiere im offenen Gelände an.

Das Virus wird von den blutsaugenden Insekten aufgenommen. Nach einer Entwicklungszeit von ca. einer Woche kann das Virus bei einer Blutmahlzeit auf einen Säugetierwirt übertragen werden.

Ist die Impfung gut verträglich?

Nach Bewertung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) ist die Impfung gut verträglich. Dies zeigten nicht nur in Deutschland durchgeführte Studien (Gethmann et al., 2009; Eschbaumer et al., 2009), sondern auch die Auswertungen von BTV-8-Impfkampagnen im In- und Ausland (Cussler et al., 2009; Bruckner et al., 2009).

Viele im Jahr des Ersteinsatzes erfasste „Impfschäden" erwiesen sich bei näherer Untersuchung als Krankheitsausbrüche, da aufgrund einer noch ausstehenden zweiten Impfung die Grundimmunisierung noch nicht erfolgreich abgeschlossen worden war.

Grundsätzlich werden aber selbstverständlich mögliche Meldungen zu Nebenwirkungen weiterhin aufgenommen und überprüft ( Link zum EU - Meldeformular für Tierärzte ).


Rind schwarz-weiß
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