LAVES klar

Schmallenberg-Virus-Infektionen in Deutschland

Stand: 29.08.2016


Erstmals wurde das Schmallenberg-Virus (SBV) im November 2011 durch das Friedrich-Loeffler Institut nachgewiesen. Das Virus (Familie Bunyaviridae, Genus Orthobunyavirus) zeigt einen hohen Verwandtschaftsgrad zu bekannten Erregern der Gruppen von Akabane-, Aino- und Shamondaviren. Diese Viren kommen in Amerika, Afrika, Asien und Australien vor und sind dort bei Wiederkäuern für eine ähnliche Erkrankung verantwortlich. In Deutschland wird das Virus nach der Probenherkunft als „Schmallenberg-Virus" bezeichnet. Die Übertragung des Virus erfolgt transplazentar (von der Mutter auf das Kalb/Lamm) und über Arthropoden (Gnitzen).

Bei der Infektion mit dem Schmallenberg-Virus handelt es sich um eine meldepflichtige Tierkrankheit (Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten in der Fassung vom 11. Februar 2011, zuletzt geändert am 31. August 2015).

SBV löst vor allem bei Wiederkäuern Erkrankungen aus. Infizierte adulte Tiere zeigen keine oder kurzzeitig milde Symptome wie Fieber, Milchleistungsrückgang oder Durchfall. Werden die Tiere jedoch während einer empfänglichen Phase in der Trächtigkeit (Rinder mutmaßlich zwischen dem 75. und 175. Tag, Schafe etwa zwischen dem 30. und 50. Tag) infiziert, können schwere Missbildungen bei den Neugeborenen auftreten (Links zu den Missbildungen).

Beginnend im deutsch-niederländischen Grenzgebiet breitete sich das SBV innerhalb kürzester Zeit deutschlandweit und über weite Teile Europas aus. Zwischen Anfang 2012 und 2014 wurden in Deutschland Infektionen in über 2500 Rinder-, Schaf- und Ziegenbetrieben festgestellt. Die Zahl der Infektionen ist jedoch stark rückläufig, sodass nur noch vereinzelt SBV Infektionen gemeldet werden.

In Niedersachsen wurden im Zeitraum 2012 bis Ende 2013 insgesamt 387 Fälle gemeldet. Von Anfang 2014 bis Mitte 2016 sank die Zahl auf nur 10 gemeldete SBV Infektionen.

Diese bei Wiederkäuern (Rind, Schaf, Ziege) relevanten Viren stellen kein Risiko für den Menschen dar. Es handelt sich nicht um Zoonoseerreger. Zudem zeigten Untersuchungen des Robert Koch-Instituts, dass selbst bei Personen, die engen Kontakt zu infizierten Tieren, insbesondere Schafen, hatten, keine Hinweise auf humane Infektionen (siehe auch Informationen des Robert Koch-Instituts).

Viele Drittstaaten verbieten oder beschränken seit 2012 die Einfuhr von Wiederkäuern (Link mit den Einfuhrbestimmungen der Drittländer). Einige Drittstaaten fordern deshalb für den Handel von Zuchttieren, Samen, etc. die SBV-Freiheit (durch Antikörper- und oder Genomnachweis) der zu verbringenden Tiere bzw. der Tiere von denen die Erzeugnisse stammen.

An den beiden Veterinärinstituten des LAVES können serologische und virologische Untersuchungen durchgeführt werden. Dazu können Serumproben oder missgebildete Lämmer und Kälber nach vorheriger Absprache mit den Untersuchungslaboren eingesandt werden.

Bei Verdacht einer SBV Infektion eignen sich zum Nachweis akut infizierter Tiere Serum oder EDTA-Blutproben. Der Erregernachweis bei Aborten, Totgeburten oder missgebildet geborener Lämmer oder Kälber erfolgt zunächst aus dem Gehirn. Ergänzend können Herzblut, Milz, Fruchtwasser (Felltupfer, Innenohr, Magen) und Mekonium untersucht werden.

Prophylaktische Maßnahmen zum Schutz vor Schmallenberg-Virus Infektionen:

In Betracht kommt der Schutz empfänglicher Tiere vor Gnitzen/Mücken, um das Infektionsrisiko insbesondere während der Vektor-aktiven Zeit zu mindern. Darüber hinaus kann der Besamungszeitpunkt weiblicher Tiere so gelegt werden, dass die empfängliche Phase der Trächtigkeit außerhalb der Vektor-aktiven Zeit liegt.

Seit dem 6. Februar 2015 ist zudem ein inaktivierter Impfstoff (Zulvac SBV von Zoetis) zur Impfung von Rindern und Schafen in Deutschland zugelassen.

Links:

European Commission - Control Measures

Friedrich-Loeffler-Institut (FLI)

Übersicht zum Akabane-Virus (Center for Food Security and Public Health)

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln