LAVES klar

Schmallenberg-Virus-Infektionen in Deutschland

Stand: 19.03.2018


Schmallenberg-Virus-Infektionen traten 2016 wieder gehäuft auf, sodass im letzten Jahr sowohl bei Hauswiederkäuern als auch bei Wildwiederkäuern wieder vermehrt Antikörper nachgewiesen werden konnten.

Während im Jagdjahr 2015/2016 in 4,7% der Blutproben (32 von 687 Proben) Antikörper gegen das SBV nachgewiesen werden konnten, wurden im Jagdjahr 2016/2017 in 27,5% der Proben (139 von 505 Proben) Antikörper nachgewiesen. Im Jagdjahr 2017/2018 konnte nun wieder ein Rückgang der Nachweise beobachtet werden (16,6%).

Erstmals wurde das Schmallenberg-Virus im November 2011 durch das Friedrich-Loeffler-Institut nachgewiesen. Das Virus (Ordnung Bunyavirales, Familie Peribunyaviridae, Genus Orthobunyavirus) zeigt einen hohen Verwandtschaftsgrad zu bekannten Erregern der Gruppen von Akabane-, Aino- und Shamondaviren. Diese Viren kommen in Amerika, Afrika, Asien und Australien vor und sind dort bei Wiederkäuern für eine ähnliche Erkrankung verantwortlich. In Deutschland wird das Virus nach der Probenherkunft als „Schmallenberg-Virus" bezeichnet. Die Übertragung des Virus erfolgt transplazentar (von der Mutter auf das Kalb/Lamm) und über Insekten (Gnitzen).

Bei der Infektion mit dem Schmallenberg-Virus handelt es sich um eine meldepflichtige Tierkrankheit (Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten in der Fassung vom 11. Februar 2011, zuletzt geändert am 31. August 2015). Eine Meldung muss jedoch erst erfolgen, wenn mittels molekularbiologischer Methoden (sog. Polymerase-Kettenreaktion, PCR) das Virus direkt nachgewiesen werden konnte. Ein Nachweis von Antikörpern muss hingegen nicht gemeldet werden.

SBV löst bei Wiederkäuern Erkrankungen aus. Infizierte adulte Tiere zeigen keine oder kurzzeitig milde Symptome wie Fieber, Milchleistungsrückgang oder Durchfall. Werden die Tiere jedoch während einer empfänglichen Phase in der Trächtigkeit (Rinder mutmaßlich zwischen dem 75. und 175. Tag, Schafe etwa zwischen dem 30. und 50. Tag) infiziert, können schwere Missbildungen bei den Neugeborenen auftreten (Link zu den Missbildungen).

Beginnend im deutsch-niederländischen Grenzgebiet breitete sich das SBV innerhalb kürzester Zeit deutschlandweit und über weite Teile Europas aus. Zwischen Anfang 2012 und 2014 wurden in Deutschland Infektionen in über 2500 Rinder-, Schaf- und Ziegenbetrieben festgestellt. Die Zahl der Infektionen war in den letzten Jahren stark rückläufig, sodass nur noch vereinzelt SBV Infektionen gemeldet wurden.

Diese bei Wiederkäuern (Rind, Schaf, Ziege) relevanten Viren stellen kein Risiko für den Menschen dar.

Viele Drittstaaten verbieten oder beschränken seit 2012 die Einfuhr von Wiederkäuern (Link mit den Einfuhrbestimmungen der Drittländer).Einige Drittstaaten fordern deshalb für den Handel von Zuchttieren, Samen, etc. die SBV-Freiheit (durch serologische (= Antikörper) oder virologische (= Virusgenom) Nachweise) der zu verbringenden Tiere bzw. der Tiere von denen die Erzeugnisse stammen.

An den beiden Veterinärinstituten des LAVES können serologische und virologische Untersuchungen durchgeführt werden. Dazu können Serumproben oder missgebildete Lämmer und Kälber nach vorheriger Absprache mit den Untersuchungslaboren eingesandt werden.

Prophylaktische Maßnahmen zum Schutz vor Schmallenberg-Virus Infektionen:

In Betracht kommt der Schutz empfänglicher Tiere vor Gnitzen/Mücken, um das Infektionsrisiko insbesondere während der Vektor-aktiven Zeit zu mindern. Darüber hinaus kann der Besamungszeitpunkt weiblicher Tiere so gelegt werden, dass die empfängliche Phase der Trächtigkeit außerhalb der Vektor-aktiven Zeit liegt.

Seit dem 6. Februar 2015 ist zudem ein inaktivierter Impfstoff (Zulvac SBV von Zoetis) zur Impfung von Rindern und Schafen in der EU zugelassen. Dieser Impfstoff ist seit Herbst 2017 nun auch in Deutschland verfügbar. Weitere Informationen erhalten Sie direkt beim Hersteller.


Links:

European Commission - Control Measures

Friedrich-Loeffler-Institut (FLI)


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