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Schweinepest

Stand: 26.06.2014

Aktuelle Situation:

Am 21.06.2014 wurde in einer Hinterhofhaltung in Lettland die Klassische Schweinepest bei Hausschweinen nachgewiesen. Die Haltung befindet sich in einer bereits bestehenden Restriktionszone, in der die Klassische Schweinepest bei Wildschweinen auftrat und ist etwa 15 km von der Grenze zu Weißrussland entfernt.

Was ist Klassische Schweinepest?

Die Klassische Schweinepest (KSP) ist eine fieberhafte, hoch ansteckende Allgemeinerkrankung der Schweine (Haus- und Wildschweine) mit seuchenhaftem Verlauf, hoher Erkrankungsrate (Morbidität) und hoher Sterblichkeit. Verursacht wird die Erkrankung durch ein Virus (Virus der Klassischen Schweinepest).

Für den Menschen und andere Haustierarten ist die Klassische Schweinepest nicht gefährlich.

Die Klassische Schweinepest ist anzeigepflichtig und kann klinisch nicht von der Afrikanischen Schweinepest (ASP) unterschieden werden. Eingeschleppt in nicht verseuchte Gebiete verläuft die Erkrankung bei Schweinen verheerend und ist mit enormen wirtschaftlichen Konsequenzen verbunden.

Die Klassische Schweinepest wurde erstmals 1833 in Ohio, USA beschrieben und ist vielen Bereichen der Erde verbreitet. Zurzeit treten Seuchenzüge in Süd- und Mittelamerika, Asien sowie Teilen Europas (insbesondere auf dem Balkan und der Russischen Föderation, aber auch u. a. in Ungarn, der Slowakischen Republik, Litauen und seit 2012 in Lettland) auf.

Wie erkennt man die Klassische Schweinepest?

Das klinische Erscheinungsbild der KSP ist extrem variabel.

Jüngere Tiere erkranken in der Regel stärker als ältere oder erwachsene Tiere. Bei Sauen und Ebern sind oft nur sehr mild ausgeprägte, vorübergehende Krankheitserscheinungen zu beobachten, während bei Ferkeln häufig eine hohe Todesrate zu verzeichnen ist.

Es sind unterschiedliche Verlaufsformen der KSP möglich:

Der akute Verlauf ist gekennzeichnet durch hohes Fieber, Bindehautentzündung, Inappetenz, allgemeine Schwäche und Abgeschlagenheit. Erkrankte Tiere liegen viel und weisen meistens Atembeschwerden (Husten) und/oder Durchfall durch Sekundärinfektionen auf. Neurologische Symptome wie Zuckungen, Krämpfe oder schwankender Gang (Ataxie) können ebenfalls auftreten. Bei Sauen werden Fruchtbarkeitsstörungen wie Umrauschen und Aborte beobachtet. „Typische" Symptome der Schweinepest wie Einblutungen und Verfärbungen der Haut können in manchen Fällen auftreten. Ein Fehlen solcher Symptome schließt KSP aber nicht aus! Die Mortalität kann abhängig von Alter und Virustyp bis zu 100% betragen, wobei zurzeit kursierende KSP-Viren meist moderat virulent sind.

Vorschaubild EU-Referenzlabor für KSP, TiHo Hannover
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Bei der Sektion verendeter Tiere können punkt- oder flächenhafte Blutungen in der Haut und den inneren Organen sowie vergrößerte und „blutige" Lymphknoten auffallen. Selten sind Milzrandinfarkte zu beobachten. Nicht selten werden aber auch keinerlei charakteristische, pathologisch-anatomische Veränderungen gefunden.

EU-Referenzlabor für KSP, TiHo Hannover

EU-Referenzlabor für KSP, TiHo Hannover

EU-Referenzlabor für KSP, TiHo Hannover

Die chronische Verlaufsform der Krankheit tritt auf, wenn die Schweine nicht in der Lage sind, eine ausreichend Immunantwort auszubilden, um das Virus zu eliminieren. Zu Anfang treten Symptome auf wie sie beim akuten Verlauf beschrieben sind. Erkrankte Tiere erholen sich jedoch nicht, sondern zeigen anschließend weniger intensive, meistens unspezifische Krankheitssymptome bis zu ihrem Tod. Die pathologisch-anatomischen Veränderungen ähneln denen der akuten Verlaufsform, sind jedoch weniger deutlich ausgeprägt.

EU-Referenzlabor für KSP, TiHo Hannover

Infektion tragender Sauen

Kommt es zur Infektion tragender Sauen, so infiziert das Virus ebenfalls die Feten in der Gebärmutter. Während die Sauen selbst häufig nur schwache klinische Symptome zeigen, führt eine Infektion in Abhängigkeit vom Stadium der Trächtigkeit zur Resorption oder Mumifizierung der Früchte, zu Aborten oder aber zur Geburt lebensschwacher Ferkel. Der Fruchtbarkeitsindex der Herde sinkt.

Bei einer Infektion der Feten vor dem 90. Tag der Trächtigkeit besteht die Gefahr, dass persistent infizierte Ferkel geboren werden, die zum Zeitpunkt der Geburt gesund erscheinen und mehrere Monate überleben können („Late onset"). Diese Ferkel scheiden jedoch permanent Virus aus.

Möglichkeit der Ausschluss-Diagnostik:

Aufgrund des sehr variablen Krankheitsbildes der KSP kommt differentialdiagnostisch eine Vielzahl weiterer Erkrankungen in Frage. Eine sichere Diagnose kann nur im Labor erfolgen!

Bei unklarem Krankheitsgeschehen sollte deshalb unbedingt frühzeitig eine Ausschluss-Diagnostik Schweinepest durchgeführt werden! Diese Labor-Untersuchung hat keine Folgen für den Betrieb und bedeutet auch nicht, dass ein Verdacht auf Schweinepest vorliegt. Eine frühzeitige Erkennung trägt jedoch wesentlich dazu bei, dass das Seuchengeschehen rasch eingedämmt wird und viele Betriebe von der Seuche verschont bleiben.

Wie wird die Klassische Schweinepest übertragen?

Übertragen wird Schweinepest durch direkten Kontakt von Tier zu Tier (z.B. im Stall, auf Transporten/ Viehsammelstellen/Viehmärkten sowie bei offenen Haltungsformen auch durch Kontakt von Wildschwein zu Hausschweinen oder umgekehrt). Ebenso ist eine indirekte Übertragung über virusbehaftete Kleidung, Futtermittel, Schlacht-/Speiseabfälle, Gülle/Mist oder sonstige Gerätschaften möglich.

Das Virus ist in Blut und Geweben der infizierten Tiere vorhanden und wird mit allen Se- und Exkreten (z.B. Speichel, Urin, Kot, Sperma) ausgeschieden. Der Erreger ist recht widerstandsfähig und bleibt z.B. in Kot und Gülle bei moderaten Außentemperaturen für einige Tage bis Wochen infektiös. In nicht erhitzten Fleischprodukten wie z. B. Schinken hält sich das Virus über Monate und in tiefgekühltem Fleisch/Fleischprodukten sogar für Jahre.

Was tun gegen Klassische Schweinepest?

Es gilt, die Einschleppung der Klassischen Schweinepest nach Deutschland und ggf. ihre Ausbreitung in den Schweinebeständen zu verhindern!

Eine grundlegende Rolle dafür ist die Einhaltung strikter Hygiene-Richtlinien in der Schweinehaltung. Es gilt:

  • Speiseabfälle oder Essensreste dürfen grundsätzlich nicht an Schweine (Haus- und Wildschweine) verfüttert werden! Insbesondere von unkontrolliert aus dem Ausland eingeführten Fleisch- und Wursterzeugnissen geht ein erhöhtes Risiko aus.
  • Generell muss auf eine gute allgemeine Betriebshygiene geachtet werden!
  • (Sauberkeit von Personal und Gerätschaften, Zugangbeschränkung zu den Stallungen, betriebseigene Schutzkleidung, Schädlingsbekämpfung, usw.)
    Gesondertes Merkblatt für Landwirtebeachten!
  • Der direkte oder indirekte Kontakt von Hausschweinen zu Wildschweinen muss unbedingt vermieden werden. Freilandhaltungen sind hier besonders gefährdet, aber auch konventionelle Betriebe müssen geeignete Vorsichtsmaßnahmen ergreifen (z.B. wildschweinsichere Umzäunung des Betriebsgeländes; unzugängliche Lagerung von Futtermitteln und Einstreu)
  • Jäger, die auch selbst Schweine halten oder anderweitig Kontakt zu Schweinen haben, müssen besondere Vorsicht walten lassen.
  • Gesondertes Merkblatt für Jäger beachten!
  • Auch Hobbyhalter von Schweinen sollten sich der Problematik bewusst werden und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.

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