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Blauzungenkrankheit

Stand: 20.04.2016

Karte der EU mit Restriktionszonen zur Blauzungenkrankheit

Karte der EU mit Restriktionszonen zur Blauzungenkrankheit (s. Link)

Aktuelle Informationen zur Verbreitung und den Restriktionszonen in der EU finden Sie auf der Internetseite zur Blauzungenkrankheit der EU-Kommission.

Dort ist u. a. eine aktuelle Karte sowie eine tabellarische Übersicht der Restriktionszonen in der EU zu finden.

Blauzungenkrankheit vom Serotyp 4 (BTV-4): Österreich ist betroffen

Seit Mai 2014 ist es in Südosteuropa zu zahlreichen Ausbrüchen der Blauzungen-Krankheit, verursacht durch BTV-4, gekommen. Seit dem Sommer 2015 wurden Neuausbrüche in Rumänien, Montenegro, Kroatien und Ungarn gemeldet. Nachdem sich der Erreger in Ungarn weiter verbreiten konnte, sind im November 2015 drei Fälle in Österreich und ein Fall in Slovenien aufgetreten. Diese Fälle ereigneten sich jeweils unweit der Grenzen zu Ungarn. Von der deutschen Grenze sind die aktuellen Ausbrüche ca. 200 bis 250 km entfernt.

Weiterführende Informationen zu den Ausbrüchen und Maßnahmen in Österreich finden Sie hier.

Bei dem ursächlichen Virus handelt es sich nicht um den bisher im Mittelmeerraum vorherrschenden BTV-4 Serotyp, der üblicherweise von der Gnitzenart Culicoides imicola übertragen wird, sondern um ein neues, reassortiertes Virus, das vermutlich von auch in Deutschland heimischen Vektoren (Culicoides obsoletus und pulicaris) verbreitet und übertragen werden kann. Von der Infektion sind neben Schafen und Ziegen auch Rinder und Wildtiere betroffen.

Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 (BTV-8):

Am 21.08.2015 wurde im Departement Allier im Zentrum von Frankreich der Ausbruch der Blauzungenkrankheit (BTV-8) bei einem klinisch kranken Schaf amtliche festgestellt. Die Infektion wurde im Umkreis von 2 Kilometern in 7 weiteren Betrieben festgestellt. In der Folge wurden bisher 88 Neuausbrüche festgestellt (Stand 15.11.2015). Frankreich galt seit 2012 als frei von der Blauzungenkrankheit, das letzte Auftreten war 2010.

Historie der Blauzungenkrankheit in Deutschland

Seit dem ersten Auftreten der Blauzungenkrankheit im August 2006 verursachte die Erkrankung insbesondere in den ersten zwei Folgejahren in Rinder- und Schafherden erhebliche wirtschaftliche Schäden. Durch den Einsatz der flächendeckenden Impfung der Hauswiederkäuer ab 2008 konnte die Anzahl der Neuerkrankungen deutlich reduziert werden. Die letzte Neuinfektion eines empfänglichen Tieres mit dem Blauzungenvirus vom Typ 8 (BTV-8) in Deutschland wurde im November 2009 nachgewiesen. Seit dem 15.02.2012 sind Deutschland und die Benelux-Staaten BTV-8 frei.

Weiterhin besteht unverändert aufgrund der epidemiologischen Situation in Europa (Nachweise unterschiedlicher BTV-Serotypen in Algerien, Portugal, Spanien usw.) und der intensiven Handelsbeziehungen grundsätzlich die Gefahr einer erneuten Einschleppung des BTV-8 oder anderer Serotypen.

Die Blauzungenkrankheit ist eine für den Menschen völlig ungefährliche Tierseuche.

Impfung

Wie beschrieben konnten seit November 2009 keine Neuinfektionen mit BTV-8 in Deutschland mehr nachgewiesen werden. Durch die Blauzungenerkrankung bedingte Leistungsdepressionen und/ oder Todesfälle, die mit zum Teil erheblichen wirtschaftlichen Verlusten einhergingen, blieben seither aus. Die Impfpflicht als ein maßgeblicher Pfeiler dieser erfolgreichen Tierseuchenbekämpfung wurde zu Beginn des Jahres 2010 aufgehoben. Die Impfung erfolgte anschließend auf freiwilliger Basis.

Seit dem 30.Juni 2015 ist die Impfung gegen BTV in Deutschland generell verboten.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Impfung gegen BTV jedoch durchgeführt werden. Die gesetzliche Grundlage für den Einsatz der Impfung stellt § 4 der EG-Blauzungenbekämpfungs-Durchführungsverordnung in der aktuellen Fassung dar.

Für diese Fälle sind in Deutschland derzeit inaktivierte Impfstoffe zur Immunisierung gegen die BTV-Serotypen 1, 2, 4 und 8 zugelassen (Stand 07.09.2015). Die aktuellen Zulassungen sind auf der Internetseite des Paul-Ehrlich-Institutes zu finden: http://www.pei.de/DE/infos/tieraerzte/tierarzneimittel/tierarzneimittel-node.html

Es besteht keine Kreuzimmunität zwischen den unterschiedlichen Serotypen.

Bei Fragen zur Impfung wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige kommunale Veterinärbehörde.

Woran erkennt man die Krankheit?

Die klinischen Symptome bei Rindern sind Entzündungen der Zitzenhaut und Schleimhäute im Bereich der Augenlider, Maulhöhle und Genitalien. Zudem treten Ablösungen von Schleimhäuten im Bereich der Zunge und des Mauls sowie Blasen am Kronsaum auf. Diese Symptome ähneln somit Symptomen der Maul- und Klauenseuche.

Das Virus bleibt in den Tieren in der Regel 100 Tage aktiv, es sammelt sich insbesondere unter der Haut. Die Tiere bilden eine belastbare Immunität aus. Die Krankheit kann ausheilen.

Schafe zeigen ca. 7-8 Tage nach der Infektion die ersten Anzeichen einer akuten Erkrankung: erhöhte Körpertemperatur, Apathie und Absonderung von der Herde. Bald nach dem Anstieg der Körpertemperatur schwellen die geröteten Maulschleimhäute an. Es kommt zu vermehrtem Speichelfluss und Schaumbildung vor dem Maul. Die Zunge schwillt an und wird blau und kann aus dem Maul hängen.

An den Klauen rötet sich der Kronsaum und schmerzt. Die Schafe können lahmen, und bei tragenden Tieren kann die Krankheit zum Abort führen.

Wie wird die Blauzungenkrankheit übertragen?

Überträger sind kleine Mücken (1 - 3 mm lang) der Gattung Culicoides (= Gnitzen). Sie fallen vor allem zwischen Abend- und Morgendämmerung Tiere im offenen Gelände an.

Das Virus wird von den blutsaugenden Insekten aufgenommen. Nach einer Entwicklungszeit von ca. einer Woche kann das Virus bei einer Blutmahlzeit auf einen Säugetierwirt übertragen werden.

Ist die Impfung gut verträglich?

Nach Bewertung des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) ist die Impfung gut verträglich. Dies zeigten nicht nur in Deutschland durchgeführte Studien (Gethmann et al., 2009; Eschbaumer et al., 2009), sondern auch die Auswertungen von BTV-8-Impfkampagnen im In- und Ausland (Cussler et al., 2009; Bruckner et al., 2009).

Viele im Jahr des Ersteinsatzes erfasste „Impfschäden" erwiesen sich bei näherer Untersuchung als Krankheitsausbrüche, da aufgrund einer noch ausstehenden zweiten Impfung die Grundimmunisierung noch nicht erfolgreich abgeschlossen worden war.

Grundsätzlich werden aber selbstverständlich mögliche Meldungen zu Nebenwirkungen weiterhin aufgenommen und überprüft (Link zum EU - Meldeformular für Tierärzte).

Rind schwarz-weiß

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