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Blauzungenkrankheit

Stand: 24.07.2017


Die Blauzungenkrankheit ist eine anzeigepflichtige Tierseuche der Wiederkäuer, die durch Viren verursacht und über Mücken der Gattung Culicoides übertragen wird.

Wichtiger Hinweis: In der Infospalte finden Sie Leitfäden für die Eingabe von BTV-Impfdaten in HIT für Schaf-, Ziegen und Rinderhalter und Tierärzte.

Karte der EU mit Restriktionszonen zur Blauzungenkrankheit
Karte der EU mit Restriktionszonen zur Blauzungenkrankheit (s. Link)
Bildrechte: EU

Aktuelle Informationen zur Verbreitung und den Restriktionszonen in der EU finden Sie auf der Internetseite zur Blauzungenkrankheit der EU-Kommission.

Dort ist u. a. eine aktuelle Karte sowie eine tabellarische Übersicht der Restriktionszonen in der EU zu finden (zur Karte gelangen Sie hier, zur Tabelle hier). Eine Karte des FLI mit den Ausbrüchen in der EU finden Sie hier.


Blauzungenkrankheit vom Serotyp 4 (BTV-4):

Das BTV-4 breitet sich seit 2014 über Griechenland und den Balkan weiter nach Nordwesten aus. Letztes Jahr waren vor allem Slowenien, Kroatien, Serbien und Italien betroffen. In Österreich wurden 2015/2016 insgesamt 7 Fälle der Blauzungenkrankheit vom Serotyp 4 nachgewiesen.
Vor allem in Norditalien werden seit August 2016 zahlreiche Neuinfektionen festgestellt. Dieses Jahre wurden bereits 124 Fälle gemeldet (Quelle: ADNS, 17.07.2017). Neben Rindern und Schafen sind vereinzelt auch Ziegen- und Mufflonbetriebe betroffen. Einige der Ausbruchsbetriebe liegen keine 150 km von der Grenze zur Bundesrepublik Deutschland entfernt.

Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 (BTV-8):

Seit 2015 zirkuliert das Blauzungenvirus vom Serotyp 8 in Frankreich und verursachte vor allem Ende 2016/Anfang 2017 zahlreiche Ausbrüche. In diesem Jahr wurden bereits 694 Fälle von BTV-8 Infektionen gemeldet (Quelle: ADNS, 17.07.2017). Einige dieser Ausbrüche waren nur unweit der deutschen Grenze entfernt.

Krankheitsanzeichen der aktuellen BTV-4 und BTV-8 Stämme:

Berichte zum Krankheitspotential der aktuell zirkulierenden BTV-4 und BTV-8 Stämme aus den betroffenen Ländern sind widersprüchlich. Es werden aber klinische Verdachtsfälle bei Rindern und kleinen Wiederkäuern beschrieben. Dies bedeutet, dass verstärkt auf Krankheitsanzeichen zu achten ist, die beim Wiederkäuer auf das Vorliegen einer Infektion mit dem Virus der Blauzungenkrankheit hindeuten.

Risikoeinschätzung zur Einschleppung der Blauzungenkrankheit nach Deutschland

Zurzeit werden nur wenige Ausbrüche aus Italien und Frankreich gemeldet. Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre wird allerdings mit einem erneuten Anstieg der Ausbrüche gerechnet. Aufgrund der genannten Ausbrüche von Blauzungenkrankheit in benachbarten Mitgliedstaaten ist die Gefahr der Einschleppung nach Deutschland für die Serotypen 4 und 8 derzeit besonders hoch. Neben den direkten Auswirkungen für die infizierten und erkrankten Tiere, werden sich durch Handelsrestriktionen schwerwiegende wirtschaftliche Folgen ergeben.

Impfung

Eine Impfung vermittelt einen sicheren Schutz, ist weitgehend nebenwirkungsfrei und eine effiziente Bekämpfung bzw. Vorbeuge ist nur durch eine flächendeckende Impfung möglich. Aus diesen Gründen empfiehlt die ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut in seiner „Impfempfehlung BTV" vom 02.02.2016 den flächendeckenden Einsatz.
Die Empfehlung, gegen beide Serotypen zu impfen, wurde in einer Stellungnahme der StIKo Vet vom 14.12.2016 und im aktuellen Radar Bulletin vom Juni 2017 (Risikobeurteilungen für die Schweiz und Deutschland, zusammengestellt vom Friedrich-Loeffler Institut und dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen der Schweiz) nochmals aktualisiert.

Der BTV-8-Seuchenzug aus den Jahren 2006 bis 2009 betraf fast die gesamte Bundesrepublik Deutschland und konnte durch den flächendeckenden Einsatz der Impfung erfolgreich bekämpft werden.

Eine flächendeckende, verpflichtende Impfung gegen BTV wurde in Frankreich, Österreich und Ungarn bisher nicht eingeführt. Jedoch kann auf freiwilliger Basis gegen BTV geimpft werden. Auch in Deutschland ist eine verpflichtende Impfung bisher nicht eingeführt worden. Mit der Änderung der EG-Blauzungenbekämpfung-Durchführungsverordnung vom 03.05.2016 wurde eine Impfung empfänglicher Tiere ermöglicht.

Der freiwilligen Impfung durch den Tierhalter kommt damit eine umso wichtigere Rolle zu.

Gemäß § 4 der EG-Blauzungenbekämpfung-Durchführungsverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 30. Juni 2015 (BGBl. I S. 1098), zuletzt geändert durch Artikel 5 der Verordnung vom 3. Mai 2016 (BGBl. I S. 1057) gilt Folgendes:

(1) Empfängliche Tiere dürfen gegen BT nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde und nur mit inaktivierten Impfstoffen geimpft werden. Die Genehmigung ist
unter Berücksichtigung einer Risikobewertung des FLI zu erteilen.

(2) Der Tierhalter hat der zuständigen Behörde oder einer von dieser beauftragten Stelle jede Impfung gegen BT innerhalb von sieben Tagen nach der Durchführung der
Impfung unter Angabe der Registriernummer seines Betriebes, des Datums der Impfung und des verwendeten Impfstoffes mitzuteilen. Auf Anordnung der zuständigen
Behörde hat er zusätzlich die Ohrmarkennummern der nach Satz 1 geimpften Tiere mitzuteilen.

(3) Die zuständige Behörde kann

1. die Impfung empfänglicher Tiere eines Bestandes oder eines bestimmten Gebietes gegen BT mit einem inaktivierten Impfstoff und

2. die Mitteilung über eine nach Nr. 1 durchgeführte Impfung und den dabei verwendeten Impfstoff anordnen, soweit dies aus Gründen der Tierseuchenbekämpfung
erforderlich ist.

Bei Fragen zur Impfung, insbesondere zur Genehmigung, wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige kommunale Veterinärbehörde.

Für die Impfung sind in Deutschland derzeit inaktivierte Impfstoffe gegen verschiedene BTV-Serotypen zugelassen. Es besteht keine Kreuzimmunität zwischen den unterschiedlichen Serotypen.

Das Land Baden-Württemberg hat bereits ein BT-Impfprogramm auf freiwilliger Basis etabliert. Informationen zu dem Programm finden Sie hier.

Hier eine Übersicht der zugelassenen Impfstoffe.

Zugelassene Impfstoffe BTV Serotyp 8 (Stand 24.07.2017)

Impfstoff

Hersteller

Vertrieb

Tierart

Verfügbarkeit*

Bluevac BTV-8

CZ-Veterinaria

Intervet/MSD

Schaf, Rind


Bovilis BTV-8

Intervet/MSD

Intervet/MSD

Schaf, Rind


BTVPUR AlSap 8

Merial

Merial

Schaf, Rind


BTVPUR

mit Serotyp 8

Merial

Merial

Schaf, Rind


Zulvac 8 bovis

Zoetis

Zoetis

Rind


Zulvac 8 ovis

Zoetis

Zoetis

Schaf



Zugelassene Impfstoffe BTV Serotyp 4 (Stand 24.07.2017)

Impfstoff

Hersteller

Vertrieb

Tierart

Verfügbarkeit*

BTVPUR AlSap 2, 4

Merial

Merial

Schaf


Bluevac-4

CZ-Veterinaria

Intervet/MSD

Schaf, Rind


BTVPUR

mit Serotyp 4

Merial

Merial

Schaf, Rind


* Impfstoffe gegen BTV-4 und BTV-8 sind in Deutschland verfügbar. Die konkrete Verfügbarkeit der einzelnen Impfstoffe und Angaben zu den Immunisierungsschemata sind bei den Herstellern bzw. Vertreibern zu erfragen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie auch auf der Internetseite der Ständigen Impfkomission des FLI.

Die aktuellen Zulassungen sind auf der Internetseite des Paul-Ehrlich-Institutes zu finden: http://www.pei.de/DE/infos/tieraerzte/tierarzneimittel/tierarzneimittel-node.html

Historie der Blauzungenkrankheit in Deutschland

Seit dem ersten Auftreten der Blauzungenkrankheit im August 2006 verursachte die Erkrankung insbesondere in den ersten zwei Folgejahren in Rinder- und Schafherden erhebliche wirtschaftliche Schäden. Durch den Einsatz der flächendeckenden Impfung der Hauswiederkäuer ab 2008 konnte die Anzahl der Neuerkrankungen deutlich reduziert werden. Die letzte Neuinfektion eines empfänglichen Tieres mit dem Blauzungenvirus vom Typ 8 (BTV-8) in Deutschland wurde im November 2009 nachgewiesen. Seit dem 15.02.2012 sind Deutschland und die Benelux-Staaten BTV-8 frei.

Weiterhin besteht unverändert aufgrund der epidemiologischen Situation in Europa (Nachweise unterschiedlicher BTV-Serotypen in Algerien, Portugal, Spanien usw.) und der intensiven Handelsbeziehungen grundsätzlich die Gefahr einer erneuten Einschleppung des BTV-8 oder anderer Serotypen.

Die Blauzungenkrankheit ist eine für den Menschen völlig ungefährliche Tierseuche.

Woran erkennt man die Krankheit?

Die klinischen Symptome bei Rindern sind Entzündungen der Zitzenhaut und Schleimhäute im Bereich der Augenlider, Maulhöhle und Genitalien. Zudem treten Ablösungen von Schleimhäuten im Bereich der Zunge und des Mauls sowie Blasen am Kronsaum auf. Diese Symptome ähneln somit Symptomen der Maul- und Klauenseuche.

Das Virus bleibt in den Tieren in der Regel 100 Tage aktiv, es sammelt sich insbesondere unter der Haut. Die Tiere bilden eine belastbare Immunität aus. Die Krankheit kann ausheilen.

Schafe zeigen ca. 7-8 Tage nach der Infektion die ersten Anzeichen einer akuten Erkrankung: erhöhte Körpertemperatur, Apathie und Absonderung von der Herde. Bald nach dem Anstieg der Körpertemperatur schwellen die geröteten Maulschleimhäute an. Es kommt zu vermehrtem Speichelfluss und Schaumbildung vor dem Maul. Die Zunge schwillt an und wird blau und kann aus dem Maul hängen.

An den Klauen rötet sich der Kronsaum und schmerzt. Die Schafe können lahmen, und bei tragenden Tieren kann die Krankheit zum Abort führen.

Wie wird die Blauzungenkrankheit übertragen?

Überträger sind kleine Mücken (1 - 3 mm lang) der Gattung Culicoides (= Gnitzen). Sie fallen vor allem zwischen Abend- und Morgendämmerung Tiere im offenen Gelände an.

Das Virus wird von den blutsaugenden Insekten aufgenommen. Nach einer Entwicklungszeit von ca. einer Woche kann das Virus bei einer Blutmahlzeit auf einen Säugetierwirt übertragen werden.

Ist die Impfung gut verträglich?

Nach Bewertung des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) ist die Impfung gut verträglich. Dies zeigten nicht nur in Deutschland durchgeführte Studien (Gethmann et al., 2009; Eschbaumer et al., 2009), sondern auch die Auswertungen von BTV-8-Impfkampagnen im In- und Ausland (Cussler et al., 2009; Bruckner et al., 2009).

Viele im Jahr des Ersteinsatzes erfasste „Impfschäden" erwiesen sich bei näherer Untersuchung als Krankheitsausbrüche, da aufgrund einer noch ausstehenden zweiten Impfung die Grundimmunisierung noch nicht erfolgreich abgeschlossen worden war.

Grundsätzlich werden aber selbstverständlich mögliche Meldungen zu Nebenwirkungen weiterhin aufgenommen und überprüft (Link zum EU - Meldeformular für Tierärzte).


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