LAVES klar

Schmallenberg-Virus-Infektionen in Deutschland

Stand: 10.08.2017


Schmallenberg-Virus (SBV) Infektionen werden aktuell wieder vermehrt nachgewiesen.

Nachdem die Zahl von SBV Infektionen im Zeitraum 2013 bis Mitte 2016 in Niedersachsen und in der Bundesrepublik stark rückläufig war, stieg die Zahl der Nachweise von SBV Infektionen zum Ende des letzten Jahres wieder an.

Auch in diesem Jahr konnten bei den Untersuchungen bereits zahlreiche Antikörper gegen das SBV nachgewiesen werden. Ein Anstieg der SBV Nachweise konnte auch bei Wildwiederkäuern festgestellt werden. Im Jagdjahr 2015/2016 wurden in 4,7% der Blutproben (32 von 687 Proben) Antikörper gegen das SBV nachgewiesen. Im Jagdjahr 2016/2017 waren es dagegen 27,5% (139 von 505 Proben).

Erstmals wurde das Schmallenberg-Virus im November 2011 durch das Friedrich-Loeffler Institut nachgewiesen. Das Virus (Familie Bunyaviridae, Genus Orthobunyavirus) zeigt einen hohen Verwandtschaftsgrad zu bekannten Erregern der Gruppen von Akabane-, Aino- und Shamondaviren. Diese Viren kommen in Amerika, Afrika, Asien und Australien vor und sind dort bei Wiederkäuern für eine ähnliche Erkrankung verantwortlich. In Deutschland wird das Virus nach der Probenherkunft als „Schmallenberg-Virus" bezeichnet. Die Übertragung des Virus erfolgt transplazentar (von der Mutter auf das Kalb/Lamm) und über Insekten (Gnitzen).

Bei der Infektion mit dem Schmallenberg-Virus handelt es sich um eine meldepflichtige Tierkrankheit (Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten in der Fassung vom 11. Februar 2011, zuletzt geändert am 31. August 2015). Eine Meldung muss jedoch erst erfolgen, wenn mittels molekularbiologischer Methoden (sog. Polymerase-Kettenreaktion, PCR) das Virus direkt nachgewiesen werden konnte. Ein Nachweis von Antikörpern muss hingegen nicht gemeldet werden.

SBV löst bei Wiederkäuern Erkrankungen aus. Infizierte adulte Tiere zeigen keine oder kurzzeitig milde Symptome wie Fieber, Milchleistungsrückgang oder Durchfall. Werden die Tiere jedoch während einer empfänglichen Phase in der Trächtigkeit (Rinder mutmaßlich zwischen dem 75. und 175. Tag, Schafe etwa zwischen dem 30. und 50. Tag) infiziert, können schwere Missbildungen bei den Neugeborenen auftreten (Link zu den Missbildungen).

Beginnend im deutsch-niederländischen Grenzgebiet breitete sich das SBV innerhalb kürzester Zeit deutschlandweit und über weite Teile Europas aus. Zwischen Anfang 2012 und 2014 wurden in Deutschland Infektionen in über 2500 Rinder-, Schaf- und Ziegenbetrieben festgestellt. Die Zahl der Infektionen war in den letzten Jahren stark rückläufig, sodass nur noch vereinzelt SBV Infektionen gemeldet wurden.

Diese bei Wiederkäuern (Rind, Schaf, Ziege) relevanten Viren stellen kein Risiko für den Menschen dar.

Viele Drittstaaten verbieten oder beschränken seit 2012 die Einfuhr von Wiederkäuern (Link mit den Einfuhrbestimmungen der Drittländer).Einige Drittstaaten fordern deshalb für den Handel von Zuchttieren, Samen, etc. die SBV-Freiheit (durch serologische (= Antikörper) oder virologische (= Virusgenom) Nachweise) der zu verbringenden Tiere bzw. der Tiere von denen die Erzeugnisse stammen.

An den beiden Veterinärinstituten des LAVES können serologische und virologische Untersuchungen durchgeführt werden. Dazu können Serumproben oder missgebildete Lämmer und Kälber nach vorheriger Absprache mit den Untersuchungslaboren eingesandt werden.

Prophylaktische Maßnahmen zum Schutz vor Schmallenberg-Virus Infektionen:

In Betracht kommt der Schutz empfänglicher Tiere vor Gnitzen/Mücken, um das Infektionsrisiko insbesondere während der Vektor-aktiven Zeit zu mindern. Darüber hinaus kann der Besamungszeitpunkt weiblicher Tiere so gelegt werden, dass die empfängliche Phase der Trächtigkeit außerhalb der Vektor-aktiven Zeit liegt.

Seit dem 6. Februar 2015 ist zudem ein inaktivierter Impfstoff (Zulvac SBV von Zoetis) zur Impfung von Rindern und Schafen in der EU zugelassen. Dieser ist in Deutschland allerdings nicht verfügbar. Weitere Informationen zu dem Impfstoff erhalten Sie auf der Internetseite des Paul-Ehrlich-Institutes (http://www.pei.de/DE/infos/tieraerzte/tierarzneimittel/tierarzneimittel-node.html) und beim Impfstoffhersteller.




Links:

European Commission - Control Measures

Friedrich-Loeffler-Institut (FLI)


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